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Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 298 (sequence 16)
Language
German
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298 Stellung des heutigen Judentums zu der aus Talmud usw. Stellung des heutigen Judentums zu der aus Talmud und Schulchan - aruch zu entnehmenden Ethik. Von Rektor Dr. D. Hoffman 11, Berlin. V orbemerkung. Es sei hier meine Antwort auf eine mir vorgelegte gerichtliehe Frage mitgeteilt, die abgesehen davon, daß sie dem geschätzten Leser dieser Zeitschrift von Interesse sein dürfte, zugleich dazu dienen mag, ungenaue Wiedergaben meiner diesbezüglichen Ansicht zu berichtigen. Frage: Wie stellt sich das heutige Judentum zu der aus Talmud und Schulchan Aruch zu entnehmenden Ethik? (Anmerk.) Wird etwa zugegeben, daß die vor Jahrhunderten abgefaßten Schriften manches enthalten, das mit modernen Auffassungen im Widerspruche steht, dabei aber auch eine Weiterentwickelung der Religion als solche anerkannt? Antwort: Seit dem Beginne des 18. Jahrhunderts haben die berufenen Vertreter des Judentums zu wiederholten Malen öffentlich erklärt, daß die Religion des Judentums uns strengstens befiehlt, unsere christlichen Mitbürger als Brüder zu betrachten und demgemäß letzteren gegenüber uns nichts zu erlauben, was dem Juden gegenüber verboten ist. Das auf den Vorschlag Napoleons im Jahre 1806 zusammenberufene große Synhedrium erklärte feierlichst: ״Daß zufolge des durch Moses empfangenen Gesetzes die Israeliten verpflichtet sind, die Nationen, welche Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde anerkennen, und unter denen sie die Vorteile der bürgerlichen Gesellschaft oder auch nur einer wohlwollenden Gastfreundschaft genießen, als ihre Brüder zu betrachtendaß die heilige Schrift uns befiehlt, unsere Nächsten wie uns selbst zu lieben und was wir nicht wollen, das man uns tue, keinem andern zu tun.

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