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Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 292

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 292 (sequence 10)
Language
German
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292 Die Lüge. Leidenschaft des Herrschers hergegeben, zu den ״Edelsten der Nation״. Da ist die politische Lüge: die völlige Gebundenheit des Staatsangehörigen durch eine Unzahl von Gesetzen ohne die Sicherheit, in gegebenem Halle den rechten Schutz zu genießen, die Komödie des Parlamentarismus, die Hilflosigkeit des einzelnen Wählers gegen die Berufspolitiker unter gleichzeitiger Verkündigung der Volkssouveränität, der Sieg des Eitlen, Ehrgeizigen und Gemeinen in der Politik gegenüber dem Tüchtigen, Wissenden, Vornehmen und Zurückhaltenden. Die wirtschaftliche Lüge im Vergeudungswahnsinn der Reichen, in der Ausbeutung der Armen, der Zwecklosigkeit der Spekulation, der Arbeit der Großindustrie für den Export statt der intensiven Bearbeitung des Bodens, um mehr Nahrungsmittel zu schaffen,, des Schutzes, den das Erbrecht einzelnen großen Reichtümern gewährt, für die dann Tausende frohnden, anstatt sie der Gesamtheit zur Nutznießung wieder zuzuführen. Die Ehelüge, die den Sinn der Ehe als einer Vereinigung zweier für das Erstehen eines kommenden starken Geschlechts besonders geeigneter Individuen in sein Gegenteil verwandelt hat. Die Postulierung der Monogamie als des gegebenen Verhältnisses, Während sie tatsächlich nur theoretisch besteht. Die Presselüge, die von einer Macht der öffentlichen Meinung redet, während diese nur die despotische Gewalt der Journalisten zum Ausdruck bringt, von Journalisten, die niemals ein Mandat erhalten haben, sondern dadurch, daß sie den niedrigen Instinkten der Menge schmeicheln, ihren Leserkreis erweitern. Genug! Das sind nur einige Striche aus dem großen, düsteren Gemälde, das Nordan entwirft. Welche Heilmittel er anpreist, das gehört nicht hierher. Ebensowenig kann es hier unsere Aufgabe sein, an den Übertreibungen, die ihm unterlaufen, Kritik zu üben. Sie lassen sich, so paradox das klingt, auf denselben Grundfehler zurückführen, dessen die obenerwähnten deutschen Philosophen des Idealismus sich schuldig machen. Als Lüge wird gebrandmarkt, was nur das Resultat eines der Menschennatur nun einmal innewohnenden Widerspruchs ist. Das als Ideal Erkannte soll bis in die

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