Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 279 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Feldpostbrief. 279 Zeit, mehr Verantwortungsgefühl finden? Wird hier nicht eine Urkraft wieder Wurzel schlagen, erstarken können? Luft und Licht muß hier herein, wenn es nicht weiter schimmeln soll im Hause, wenn nicht in Amerika die besten Triebe der Jüdischkeit vertrocknen sollen an der zu großen, zu heißen Freiheit. Und nun das Zweite, das helfen kann. Jüdische Industrie ins Judenland! Die Industrie wird kommen wenn Ostjudenland deutsch bleibt. Kommt deutsche Industrie, dann kommt deutsche Aufklärung, deutscher Sozialismus mit unausdenkbaren Folgen. Nicht, daß es nur jüdisches Kapital sein muß, nicht nur jüdische Meister. Aber in der Industrie, die kommt, muß der Sabbath erhalten bleiben, muß dem jüdischen Empfinden und Leben Rechnung getragen werden. Das Material auch dafür ist vorhanden, besseres vielleicht als jemand ahnt. Ein ganz kleines Beispiel. In der Bauernbank, in der die Verwaltung ihre Büros hat, waren fünf verschlossene Geldschränke und Safes vorhanden. Man sollte sie öffnen. Bei sämtlichen Pionierkommandos und s. f. Militärbauamt pp. ward mit großer Mühe schließlich ein Soldat ermittelt, Feinmechaniker mit Fachbildung, der ausschließlich in Geldschrankfabriken arbeitete. Nach tagelanger Mühe mußte er schließlich mit dem Sauerstoffgebläse die Schlösser ausbrennen, also die Schränke als solche demolieren. Nur einer, von dem man wußte, daß er leer war, blieb verschont. Jüngst komme ich mit einem alten jüdischen Schlosser an dem Schrank vorbei — und kurz, der alte Mann ohne Bildung, ohne Fachkenntnis hat mir den Schrank, d. h. das Schloß ohne jede Be- Schädigung des Schrankes geöffnet und neue Schlüssel gemacht und war glücklich über die 50 Mk., die er dabei verdient hat. Und so der Buchbinder und so der Tischler. Es sind Kräfter die hier schlummern, die geweckt und genutzt, ein unendliches Kapital darstellen. Sollen wir, der jüdische Klall, nicht alles tun, um sie für uns zu erhalten? Und wieder muß das Bildungsproblem nicht ein ganz anderes Gesicht bekommen, wenn wir es mit einem Industrieland werden zu tun bekommen? Wenn vielleicht den Polen, Littauern, Weißrussen das Land wird vorbehalten bleiben und der Jude G. b. nach wie vor Stadt-