Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 278 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Ein Feldpostbrief. sehr reifer Überlegung bedarf, um nur in seiner Wurzel erkannt zu werden. Aber es scheint die meiste Aussicht zu bieten den Millionen Heimatlosen — und das sind sie alle, alle hier — Boden unter den Füßen zu geben. Es ist der Gedanke bereits von Deutschland aus angeregt worden, große herrenlose Güter, durch Privatgesellschaften bebauen zu lassen. Wie weit er gediehen ist, weiß ich nicht; doch hatte er große Fürsprache. Vielleicht könnte schon hier ein Versuch gemacht werden mit einem Hilfswerk, das sich glänzend bezahlt machen würde und das vielleicht eine Wendung bedeuten könnte für viele, recht viele, die heute dem Hungertode entgegensehen. Ich bin zu beschäftigt, auch vielleicht von all den kleinen Nöten, die täglieh an mich herantreten zu getrübten Blickes um das Problem zu durchschauen, ich will es auch nur in Ihnen anregen. Ich weiß, wie wenig Sie selbst dazu beitragen können, aber zehn* mal mehr und weil entfernter zehnmal objektiver als ich können Sie es durchdenken und vielleicht weiter leiten. Schon der moralische Gewinn, der durch Ablenkung eines, wenn auch vorerst kleinen Volksteiles von dem hier üblichen wirklich elenden Handelssystem erreicht würde, wäre ein unermeßlicher. Eines besonders, was mir so schwer am Herzen liegt. Wie kann man die furchtbare Gleichgültigkeit der Eltern brechen am Ergehen — am jüdischen und moralischen Werden der Kinder, die hier überall zu sehen ist. Bei den Bessersituierten sehen die Eltern nur den Stolz darin, daß die Kinder studieren, etwas werden, bei den Armen, daß sie etwas Vermögen erringen. Der Cheder oder das Gymnasium übernimmt die Sorge für Erziehung, Moral, Jüdischkeit. Ich will nicht verallgemeinern, aber es sind m. A. nach nur Ausnahmen, wo es anders ist. Eine dieser Ausnahmen ist die ausgesprochen nationale Gruppe, in deren Häusern die hebräische Sprache herrscht, die junge Kinder nach Erez Jissroel bringen, um sie als bewußte Juden — ob fromm oder nicht ist gleich — mehr noch das letztere — erzogen zu wissen. Wenn auch sympathisch, ist es doch nicht das, was wir erstreben, was wir als geistigen Zuwachs erwarten. — Wird nicht dazu auch der Bauer auf eigener Scholle mehr