Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 277 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Feldpostbrief. 277 Krieg, vieles mögen die Zeitläufte mit sich bringen, aber auch der kommende Frieden wird nicht viel daran ändern können, weil eben die jetzige Not doch zum größten Teil auf das frühere unbeschreibliche Elend zurückzufiihren ist, weil leider diese Millionen Millionen von Proletariern sind, in einer Tiefe des Begriffes, der für deutsche Verhältnisse nicht ausdenkbar ist. Da muß der Hebel einsetzen. Da muß die neue Bewegung erwachsen, ins Leben gerufen werden. Hier im Lande muß das Amerika, muß ein Erez Jissroel erblühen. Nur so können die Millionen am Leben erhalten werden, kann auf eine osteuropäische jüdische Kultur gerechnet werden, nur für dieses Neuland lohnt es über Schulen, über Bildung, über Erhaltung und Neuwerden zu schreiben, zu arbeiten. Das Material ist vorhanden, das Land ist vorhanden. In Rußland war es den Juden verboten, Land zu besitzen und zu bearbeiten, in Deutschland hat es die Bewegung auf keinen grünen Zweig bringen können. Ich selbst war ein strikter Gegner der Bewegung zur Förderung der Bodenkultur bei deutschen Juden; Gegner aus religiösen Gründen. Hier wage ich es nicht, Gegner zu sein, sehe vielleicht einen guten Teil Rettungsmöglichkeit in dem Gedanken von jüdischen Bauern, zentralisiert und kapitalisiert von einer jüdischen Bauernbank. Mit den Transportkosten nach Amerika, nach Palästina wird sich vielleicht schon hier eine Wirtschaft einrichten lassen in primitivster Form, aber doch wohl 100 Mal besser als diese Wohn- und Lebensmittelverhältnisse in den jüdischen Flecken und Städten. Muß die ganze Schulfrage nicht ganz anders angesehen werden, wenn dem Gedanken auch nur ein Schimmer von Aussicht blüht? Das Material ist vorhanden. Schon heute gibt es jüdische Gutspächter — natürlich unter russischer Herrschaft durch einen Nichtjuden gedeckt — und die von ihnen bewirtschafteten Güter sollen in nicht schlechterem Zustande sein als die anderen. Die einzig lukrativen Kolonien in Palästina sollen die von hiesiger Jugend gegründeten sein. Das Problem ist so schwer, so vielsagend, daß es wirklicher und