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Jeschurun · 1916-05-01 · Heft 5 (Mai 1916) · p. Seite 276

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 5 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 276 (sequence 42)
Language
German
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6ך2 Ein Feldpostbrief. brennt nicht, die Lösung wird auch recht wenig von unseren Kreisen oder jenen beeinflußt werden. Die wird preußisch organisiert werden und es wird m. A. jedenfalls später, wenn nicht schon heute, den Körperschaften Gehör geschenkt werden, die mit der Schule nicht das jüdische Wesen austreiben wollen. Wie ich Ihnen schon sagte, von unserem Dazwischentreten verspreche ich mir nichts. Auch bei unseren Besten ist — vielleicht etwas kühn aber sicher nicht ganz falsch gesagt — die Liebe zu Tauroh, zum Lernen לשמה, doch nur Nebenprodukt, während sie hier in den weiten treuen Kreisen so wurzeltief und echt ist, daß es unbedingt immer wieder starke, kräftige Ableger geben wird, wie auch Stätten, auf denen sie wachsen und gedeihen werden. Ich komme auf den Hauptteil meiner Ausführungen. M. A. nach ist die Ostjudenfrage in allererster Linie eine soziale Frage. Das ist nichts neues, werden Sie mir sagen. Ich weiß es, aber solange nicht die Frage als rein soziale erfaßt ist, und solange nicht alle Kräfte darauf vereinigt werden, hier die Hand anzulegen, ist es müßig, sich mit Schule und Kulturfragen zu beschäftigen. Was soll aus den sechs Millionen, oder sind es nur vier Millionen Juden werden, die jetzt in den Städten und Marktflecken einer Not anheimgegeben sind, von der man sich in unseren Verhältnissen niemals einen Begriff machen kann. Soll ich Ihnen dafür Beispiele erzählen? Beispiele aus der Jetztzeit, nicht von der russischen Willkürherr־ schaft, sondern unter deutscher Verwaltung? Können Sie sich einen Begriff davon machen, was es heißen will, wenn von hunderten Personen, die in der Volksküche essen, nicht 5% in der Lage sind auch nur zehn Pfennige für ein Mittagbrot zu zahlen? Daß man Familien, die unter russischer Herrschaft im Kriege noch ein Haus machten, an deren Tisch stets Orchim gesessen und die heute ihrer Erwerbstätigkeit beraubt, das Essen aus der Volksküche ins Haus tragen muß, weil sie lieber verhungern wollen als ihr Elend zeigen? Daß man Familienväter zum arbeiten heranzieht für 60 Pfg. Tagelohn? Ich mag nicht und kann nicht Einzelheiten schildern, vieles mag der

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