Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 275 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Feldpostbrief. 27S mit den welken Blättern die darauf gefallen sind verarbeitet, wird er immer gute Saat zeitigen. Ein Beispiel: Wasiliszki ist eine Stadt(!) von im Frieden ca. 4—5000 Einwohnern, jetzt vielleicht 2—3000, davon zwei Drittel Juden. Bürgermeister ist ein jüdischer Apotheker, natürlieh unfromm. Er geht in seinem — unbezahlten — Amt auf, sehr zum Segen der Juden. Bevor noch die Öffnung von Schulen erlaubt war, hat er fast gegen den Willen der Behörde ein Haus für die Schule reserviert, hersteilen lassen, reingehalten. Und, sobald es ging, am Tage des Erlasses die Schule eröffnet. Zwei jüdische Lehrerinnen und ein Unteroffizier, deutscher Volksschullehrer, unterrichten ca. 60—80 Kinder. Die Schule wird von allen, die sie sehen, bewundert. Sie steht allen Konfessionen zur Verfügung, aber nur jüdische Kinder besuchen sie. Der Cheder-Unterricht ist auf den Nachmittag verlegt. Die Polen suchen jetzt nach vier Monaten noch Lokal, Lehrer usw. Die Kinder mögen ruhig noch Unterricht entbehren. In Skidel, in Sczuczin, in Scopolzkin ähnliche oder gleiche Vorgänge. In Lida hat der Cheder-Unterricht nicht ausgesetzt, als die Stadt beschossen wurde. Keine andere Schule war in der ersten Bundfrageantwort aufgeführt worden» aber 8—10 jüdische Schulen, d. h. einschließlich Chedarim und Melamdim. Nun kommen die Schulvorschriften der Verwaltung, mehr oder weniger nach deutschen Verhältnissen zugeschnitten. Irgendwie wird sich schon die Paarung von Cheder und Volksschule vollziehen und da ja G. L. an der Religion nicht gerüttelt werden soll, wird das neugeborene Kind schon die Ahnlichkeit mit der Mutter — und das ist und bleibt der Cheder — nicht ganz verlieren. Ich glaube nicht, daß die Gefahr von dieser Seite eine große ist und daß hier tiefe Schäden den Baum zum Stürzen bringen können. Im Gegenteil, ich glaube, daß die Möglichkeit schon heute gegeben ist, höhere Schulen ohne Chiliul Schabboß einzurichten, ohne Einschränkung und Zurücksetzung um des Judentums willen. Auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Rabbonim, die bisher völlig fehlte, wird sich einstellen. Die Lösung des Bildungsproblems