Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 272 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Moses Maimonides. aufgehäufte Material zu sichten, zu ordnen und zu beleuchten, um so die ganze frühere Literatur überflüssig zu machen. Es ist ein großes Unrecht, das man oft Maimonides antut, wenn man ihn anklagt, er hätte die Absicht gehabt, den Tal־ mud gänzlich beiseite zu schieben. In einem Brief weist er diese Beschuldigung zurück, indem er auf die Tatsache verweist, daß er selbst ein eifriger Talmud־Jünger sei und Vorlesungen über talmudische Fächer gehalten habe. Erbetrachtete den Talmud als einen höchst würdigen Gegenstand des Studiums, aber nur für Gelehrte. Die Männer aus dem Volke aber sind keine Gelehrte und können nicht ihr ganzes Leben dem ״Lernen״ widmen. Für die Masse des Volkes allein beabsichtigte er, den Talmud durch einen umfassenden Auszug aus ihm zu ersetzen. ״In unseren Zeiten״, so sagt er in seiner Einleitung zu dem Werke, von dem wir jetzt sprechen, ״folgt ein Unglück dem andern, ohne Auf hören. Die Bedürfnisse des Augenblickes lassen alles andere beiseite treten. Die Weisheit der Weisen ist geschwunden und die Einsicht der Einsichtigen verhüllt. Darum sind alle die Erklärungen, Gesetzbücher und Rechtsbescheide, die die Gaonen in einer nach ihrer Meinung klaren Form verfaßt haben, in unseren Tagen unverständlich geworden, und es gibt nur wenige, die sie richtig verstehen können. Was die Talmude selbst, sowohl den babylonischen als den palästinensischen, und die übrige talmudische Literatur betrifft, brauche ich wohl nicht zu sagen, daß sie tiefe Kenntnis und große Intelligenz und viel Zeit verlangen, bevor einer den richtigen Weg zu finden vermag in dem, was erlaubt und verboten ist und in allen übrigen Vorschriften der Thora. ״Darum habe ich, Moses, der Sohn des Maimun, der Spanier, meine Lenden gegürtet und mein Vertrauen auf den Herrn gesetzt, gepriesen sei er, und alle diese Werke studiert und den Vorsatz gefaßt, die Ergebnisse, die aus ihnen hervorgehen, zu sammeln, bezüglich des Verbotenen und des Erlaubten, des Reinen und des Unreinen und aller andern Gebote der Thora, dies alles in einleuchtender Sprache und in kurzen Worten, so daß das mündliche Gesetz jedem einzelnen zugänglich sei, ohne