Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 269 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses Maimonides. 269 und so imstande sei, dafür zu kämpfen und dafür zu leiden. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet ist Maimonides’ Tätigkeit eminent praktisch — praktisch nicht in dem Sinne, daß sie den kleinlichen Interessen des Tages dient, sondern daß sie die Bedürfnisse der Zeit und der Geschlechter der Zukunft ins Auge faßt. Ein Jüngling noch, in den zwanziger Jahren, sah schon Maimonides das ganze Schema seiner Wirksamkeit vor sich. In einem Alter, in dem andere noch in der Sturm- und Drangperiode sich befinden, waren sein Geist und sein Charakter vollkommen gereift und abgeschlossen. Maimonides machte nicht den Anspruch, unfehlbar zu sein. Im Gegenteil, er konnte von sich rühmen, daß er stets bereit sei, seine Fehler einzugestehen und seine Ansichten zu ändern, sobald er sie als Irrtümer erkannt habe. Aber nur in Einzelheiten waren solche Änderungen je bei ihm nötig. Seine allgemeinen Anschauungen jedoch unterlagen niemals einer Veränderung, und gerade so, wie seine philosophischen Ansichten während seines ganzen Lebens trotz eifrigen und anhaltenden Studiums die gleichen blieben, so waren seine Werke die Verwirklichung eines mit fester Hand entworfenen Planes. In seinem ersten Werke sind die Umrisse seines letzten Werkes angedeutet, und in seinem letzten Werk bezieht er sich auf sein erstes, ein Zug mehr in Maimonides unvergleichlich systematischer Geistesrichtung. In der Einleitung zu seinem Mischnah-Kommentar, von dem wir bald sprechen werden, erzählt er uns, daß er Erklärungen zum Talmud geschrieben hat, und es ist der Erwähnung wert — er selbst berichtet diese Tatsache — daß diese Erklärungen sich gerade mit den Traktaten beschäftigen, die speziell das praktische Leben der Juden betrafen. Dieses Werk blieb jedoch unvollendet, und alles, was davon vollendet wurde, ist verloren gegangen. Beide Umstände sind wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, daß Maimonides keinen besonderen Wert auf die Verbreitung des Talmuds legte. Und hier haben wir wieder den echten Maimonides vor uns. Maimonides fühlte die tiefste Verehrung und Ehrfurcht v־or dem Talmud und seinen Weisen. Er spricht in fast rührenden Ausdrücken von ihrer Weisheit und Frömmigkeit. Sein Leben 18*