Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 267 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292961--01399-2294653- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Moses Maimonides. 267 suchen und Forderungen zu erheben, die aus ihm selbst erwachsen sind. Maimonides hat seine pädagogische Kunst von seinem großen Vorbild Moses gelernt, dessen Wirken ihm hauptsächlich als das eines Volkserziehers erschien. Obwohl die religiösen Gebote ohne Rücksicht auf Lohn und Strafe zu beobachten sind, erklärt er, daß ״es nichts ausmacht, wenn das Volk die Gebote aus Furcht vor der Strafe erfüllt“. Die materielle Auffassung des zukünftigen Lebens ist ihm sehr zuwider, und er gibt sich die größte Mühe, sie zu bekämpfen. Als jedoch ein Jude aus Bagdad, nach eigenem Eingeständnis ein ungebildeter Mann, ihn um eine Erklärung bat, was man unter dem zukünftigen Leben in Wahrheit zu verstehen habe, antwortete er: ״Was deine Bitte anbetrifft, dir die Unsterblichkeit der Seele zu erklären, so habe ich in meinen verschiedenen Schriften alle notwendigen Erklärungen gegeben, und ich habe mein Bestes versucht, es so verständlich als möglich zu machen. Aber ich möchte dir raten, deinen Geist nicht mit diesen tiefen Fragen zu beschäftigen, denn der Begriff von unkörperliehen Wesen ist selbst für einen großen Gelehrten sehr schwierig, um wie viel mehr für Anfänger, die in diesen Dingen keine Erfahrung haben. Du tätest besser daran, dir für dich selbst eine Vorstellung zu bilden, die du zu verstehen imstande bist. Es wird deine Frömmigkeit nicht beeinträchtigen, wenn du glaubst, daß diejenigen, die des zukünftigen Lebens teilhaftig werden, Körper sind, wenn nur der Glaube an dieses selbst feste Wurzel in deinem Herzen geschlagen hat. Selbst wenn du glauben solltest, daß sie irgendwo im höchsten Himmel oder im Paradiese essen, trinken und sich fortpflanzen, würde ich deinen Glauben nicht tadeln. Es gibt manche andere Dinge, die trotz ihrer größeren Klarheit vielen Leuten unbekannt sind, und deren Nichtwissen dennoch nicht die Grundlagen des religiösen Glaubens schwächt.“ Metaphysisches Denken ist nach Maimonides das letzte Zie des Menschen. Er verleiht ihm die größte Glückseligkeit, und es allein befähigt ihn, an der Unsterblichkeit und göttlichen Vorsehung teilzuhaben. Und doch ermahnt er das Volk immer 18