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Jeschurun · 1916-05-01 · Heft 5 (Mai 1916) · p. Seite 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 5 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 263 (sequence 29)
Language
German
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Moses Maimonides. 263 diese angebliche Bekehrung erwähnt, die doch sicher in der Hand seiner Feinde eine vortreffliche Waffe gewesen wäre. Jedenfalls widmete Maimonides diese Jahre seines Lebens, so gut er konnte, dem Wohle des Judentums. Denn während seiner Wanderungen verfaßte er — und er arbeitete daran, wie er uns selbst erzählt, oft an Bord eines Schiffes oder während seines Aufenthaltes in einer Herberge — sein erstes größeres Werk: den Kommentar zur Mischnah. Zuletzt ließ er sich in Kairo, in dem Stadtteil Fostat, unter dem duldsamen Szepter Saladins nieder. Nach dem Tode seines Bruders, mit dem er gemeinschaftlich einen Juwelenhandel betrieben hatte, entschloß er sich, sein großes medizinisches Wissen praktisch zu verwerten, und allmählich wurde er ein berühmter Arzt, an den sich nicht nur der Hof, sondern alle Klassen der Bevölkerung wandten. In einem seiner Briefe gibt er uns eine lebendige Schilderung seiner ausgedehnten Praxis, die ihn Tag und Nacht in Anspruch nahm und ihm nicht einmal Zeit für seine Mahlzeiten ließ. Trotz dieser aufreibenden Berufspflichten war er im Stande — es klingt fast wie ein Märchen — das Amt eines!Rabbiners, natürlich ohne Bezahlung, auszufüllen, die zahllosen religiösen Anfragen zu beantworten, die aus fast allen Teilen der Welt an ihn gerichtet wurden und seine zwei anderen Hauptwerke zu verfassen: den talmudischen Codex ״Mischne Torah“ und die philosophische Abhandlung ״Moreh Nebuchim“, abgesehen von zahlreichen anderen Schriften über jüdische und profane Gegenstände. Er hatte das Glück, in Joseph ibn Aknin einen Schüler zu besitzen, der ihn verehrte und ihn trotzdem — verstand, und seinen einzigen Sohn Abraham, der ihm in seinem fünfzigsten Lebensjahr geboren wurde, in seinem Geiste, seinen Idealen hingegeben, aufwachsen zu sehen. Er starb noch nicht 70 Jahre alt, an körperlicher Erschöpfung, mit der freudigen Überzeugung, daß er treu seine Pflicht erfüllt habe gegen seine eigene Zeit und gegen die kommenden Geschlechter. Maimonides Charaktergröße wird nur von seinem Geist erreicht. Er stellt eine schöne Harmonie dar zwischen der

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