Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 262 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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262 Moses Maimonides. über den Raub der Bundeslade durch die Philister vortrugen, so betrachteten sie den Tod des Maimonides als ein nationales Unglück und sein Hinscheiden als einen Raub der Bundeslade, der Quelle der göttlichen Belehrung und Begeisterung. An dieser Stelle möchte ich einige kurze Bemerkungen über Leben und Persönlichkeit von Maimonides einschalten, gewissermaßen als Rahmen für seine Wirksamkeit. Maimonides starb im Alter von fast 70 Jahren. Er wurde geboren am 14. Nissan (30. März) 1135 um 1 Uhr Nachmittag; die Erhaltung des genauen Datums seiner Geburt zeigt schon die Wichtigkeit, die die Zeitgenossen diesem Ereignis beimaßen. Er wurde in Cordova als Glied einer vornehmen jüdischen Familie geboren, die durch sieben Geschlechter hindurch die Gemeinde Cordova mit Rabbinern — damals ein unbezahltes Ehrenamt — versorgt hatte. Sein Vater war ein wohlunterrichteter Mann, vertraut mit den Quellenschriften des Judentums wie mit der Wissenschaft und Literatur der Mohamedaner. Seinen ersten Unterricht erhielt Maimonides wahrscheinlich von seinem Vater, aber er setzte ihn fort und vervollkommnete ihn unter jüdischen und mohamedanischen Lehrern. Als Maimonides 13 Jahre alt war, wurde Cordova von den Almohaden erobert, und seine Familie war gezwungen, aus ihrem Vaterlande zu fliehen. Während der folgenden Jahre wanderten sie ruhelos umher. Einige Jahre nahmen sie ihren Wohnsitz in Fez, in Nordafrika, und eine kurze Zeit hielten sie sich im heiligen Lande auf. Von diesen Jahren aus dem Leben von Maimonides ist uns nur sehr wenig bekannt. Diese Lücke in unserm Wissen zusammen mit dem brennenden Wunsch der mohamedanischen Schriftsteller, diese überragende Persönlichkeit zu einer der ihrigen zu machen, haben die Annahme entstehen lassen, Maimonides habe sich äußerlich zum Islam bekannt. Aber diese Anklage, die, traurig genug, auch von einigen jüdischen Gelehrten erhoben wird, wird schon durch die einfache Tatsache widerlegt, daß in den außerordentlich heftigen Streitschriften nach dem Tode des Maimonides keiner seiner Gegner jemals