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Jeschurun · 1916-05-01 · Heft 5 (Mai 1916) · p. Seite 261

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 5 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 261 (sequence 27)
Language
German
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Moses Maimonides. 261 zur Zeit des Maimonides. Aber, soweit wir nach den Schriften von Maimonides selbst urteilen können, gab es drei verschiedene Klassen im Volke. Zuerst die Masse des Volkes, unwissend und dumm. Unwissenheit im Judentum war sicherlich noch nicht so modern und so gründlich wie heutzutage־, indessen schienen die Juden jener Tage nicht genügend ausgerüstet für einen harten Widerstand. Fast alle lasen und verstanden den Pentateuch, aber dies war alles. Sie waren auf dem ganzen Gebiet der jüdischen Überlieferung unwissend und in ihrem praktischen Leben von den talmudisch gebildeten Gelehrten abhängig. Diese wiederum bildeten eine zweite Klasse. Sie gingen in den scharfsinnigen Diskussionen des Talmuds auf, und es fehlte ihnen vielfach das Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Zeit oder die Ideen ihres Zeitalters. Ihr Judentum war von den ״vier Ellen der Halacha“ begrenzt. Schließlich waren da noch die Intellektuellen, die sich den Inhalt des Judentums und der nichtjüdischen Philosophie angeeignet hatten, aber unfähig waren, sie mit einander harmonisch zu vereinigen. In ihnen kämpften diese heterogenen Elemente ständig mit einander, und der innere Konflikt brachte einen Biß in ihr ganzes geistiges Leben und zerstörte so ihre Energie und ihre Wider־ standskraft. In diesem Augenblick trat Maimonides in die Erscheinung und mit der Macht seines Genies brachte er allen Klassen Hilfe und Bettung, indem er sie auf einem geebneten Pfade zu den Quellen des Judentums leitete, ihnen ein umfassendes System der jüdischen Idee und Praxis darbot, die Vereinbarkeit von Beligion und Philosophie zeigte und sie so befähigte, voll Vertrauen den kommenden Verfolgungen ins Angesicht zu schauen. Wir können uns kaum eine volle Vorstellung machen von dem, was Maimonides den Juden seiner Zeit gewesen. Wenn die Juden am 20. Teweth 4965, dem Todestage von Maimonides, ein öffentliches Fasten anordneten, in ihren Synagogen das Kapitel des Pentateuch verlasen, das dem jüdischen Volke das furchtbarste Unglück im Falle des Ungehorsams androht, und aus den Propheten den Abschnitt

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