Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 256 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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256 Zum Unterricht in der hebräischen Grammatik. nutzung von Kreide und Wandtafel; der Eindruck durch das Auge ist nachhaltiger als der durch das Ohr. Ein beliebiges Beispiel: Man stelle auf der Tafel dar, wie sich ganz natürlich יעל, Kal, und יעל, Hiphil, gegenüber ישמר und ישמיר bilden. Oder aber man leite die Form נטה)ויט) gegenüber ישמם her. Nur ein Buchstabe ist ja Radikal. Woher kommt die Form? Was ist aus den zwei anderen Wurzelbuchstaben geworden? Es schadet nicht, wenn man u. a. mitteilt, daß in den meisten Gebetbüchern תבון בית תפלתי ungenau übersetzt, daß תכץ mit תבין verwechselt ist. Und man glaube nicht, daß die Schüler sich langweilen. Im Gegenteil, sie folgen dem Unterrichte mit dem größten Interesse; sie sind dankbar für die Aufklärung; es fällt ihnen wie Schuppen von den Augen; sie gebrauchen bewußt eine Form, die ihnen früher im Grunde genommen wenig besagte. Man wird bei einem solchen Unterrichte dasselbe erleben wie beim Deutschen. Welcher gespannten Aufmerksamkeit begegnet der Lehrer, wenn er die Formen ward, würfe, den sogenannten Infinitiv (Partizip) in: ״ich habe kommen wollen״ u. a. behandelt und erklärt! Er braucht den Schatz nur zu heben, der in den Kindern ruht, und ein solcher Unterricht wird für Schüler und Lehrer gleich nutzbringend und unterhaltend sein. Man setze möglichst wenig voraus und fuße nicht darauf, daß die Schüler, die über eine gewisse Anzahl Wörter verfügen, alle diese Dinge wissen. Erstens kennen sie sie nicht, und wenn es der Fall ist, ist ihnen der Werdegang dunkel. — Damit sie die schwierige Materie beherrschen und behalten, fasse man die hauptsächlichsten Abweichungen einer jeden Klasse der schwachen Verba kurz zusammen und diktiere sie; so sind sie stets gegenwärtig, z.B. die Vokalisation des ה bei den Verben ל״ה• Von seltenen und nur ausnahmsweise sich bietenden Formen ist selbstverständlich Abstand zu nehmen. Die Syntax erfordert weniger Sorgfalt. Ich möchte das Hebräische in dieser Beziehung ebenfalls mit den germanischen Sprachen vergleichen, die im Gegensatz zu den syntaktisch sehr fein durchgebildeten romanischen Sprachen in ihrem Satz-