Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 249 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur talmudischen Exegese. 249 Man wird überhaupt unserer Misehna am besten gerecht, wenn man darauf achtet, daß der Redaktor hier verschiedene Gesichtspunkte miteinander zu vereinigen suchte. So scheinen z. B. Anfang und Ende der Misehna einander zu widersprechen. Am Anfang heißt es: ״Alles, was.am Sabbat verboten ist, ist auch am Festtag verboten“, woraus hervorgeht, daß der Sabbat der Ausgangspunkt ist. Am Schluß dagegen heißt es: ״Alles dies sagte man für den Festtag, um wieviel mehr für den Sabbat“, was darauf hinweist, daß nicht der Sabbat, sondern der Festtag der Ausgangspunkt ist. Der Widerspruch dürfte sich am besten durch folgende Erwägung lösen: Das שבית Gesetz wird an den Schriftausdruck שבתון angeknüpft. Obwohl nämlich die einzelnen Ausführungsbestimmungen von שבות rabbinisch sind, gilt der Grundbegriff selbst, wenigstens in einem gewissen Sinne, als biblisch. Nun findet sich der Ausdruck שבתון in der Tora sowohl beim Sabbat, als auch bei den Festtagen, und das darauf basierende שבות Gesetz dürfte von den verschiedenen Halachaquellen, die unserer Misehna zugründe liegen, teils an das שבתון des Sabbats, teils an das der Festtage angeknüpft worden sein! Der Anfang der Misehna bezieht sich auf eine Anknüpfung an den Sabbat, der Schluß dagegen auf eine an die Festtage. Der Redaktor vereinigte die Anknüpfungen der Halachaquellen, indem er schloß: ״Alles dies sagte man (auch) für den Festtag usw.“ Etwas ähnliches liegt auch bei dem Nachsatz אין בין יום טוב לשבת vor. Derselbe gehört, wie die Gemara 37 a hervorhebt, der Schule Schammais an, da die Schule Hillels anders lehrt. Der Redaktor fügte ihn aber den voraufgehenden Bestimmungen, die auch im Sinne der Schule Hillels sein können, an, weil er alle Gesichtspunkte zusammenstellte. So dürfte die Misehna nach einem durchgehenden Prinzip am natürlichsten erklärt sein. (Schluß folgt.)