Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292961--01380-2294634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
248 Zur talmudischen Exegese. bei den gleichen Tätigkeiten gebraucht und je nach dem profanen oder Mizwa-Zweck unterschieden. Sie werden das zweite Mal bei verschiedenen Tätigkeiten angewendet, und die Tätigkeiten selbst werden in profane und in Mizwa- Tätigkeiten geteilt. Wie im Sifra, so werden auch im Talmud die Begriffe רשות und מצוה unter dem doppelten Gesichtspunkt des Zweckes und der Tätigkeit selbst betrachtet. So wird z. B. Mischna Schebiit 1, 4 Ernten je nach dem Zweck als רשות oder מצוה bezeichnet. Ygl. auch Mischna und Gemara Makkot 8 a in bezug auf Gehen usw. Andererseits wird רשות auf einen heiligen Akt wie Beten angewandt (Berachot 27 b) תפלת ערבית רשות d. h. freiwillig1). Wenn wir alles zusammenfassen, so dürfte sich folgendes ergeben: Der Bedaktor unserer Mischna wählte bei der ersten Gruppe deshalb den Ausdruck שבות und nicht רשות, weil die dort aufgezählten Tätigkeiten auch als מצוה bezeichnet werden können, wenn sie einem heiligen Zweck dienen, wie ja Mischna B/0sehhaschana IY 8 (vgl. B. S. Straschun zu Beza 36 b) auf einen Baum steigen, reiten, schwimmen zu Mizwazwecken erwähnt. Er vereinigt beide Deutungen von רשות, wie sie aus Sifra sich ergeben. In der ersten Giuppe zählt er Handlungen auf, die je nach dem Zweck רשות (profan) und מציה sein können, und vereinigt sie unter dem Begriff שבות. In Gruppe 2 und 3 spaltet er den Begriff מציה in רשות und מציה, wobei רשות nicht profan bedeutet, sondern רשות דמצוה freiwillige Mizwa. Das schließt aber nicht aus, daß auch der Gedanke mitbestimmend gewesen sein konnte, daß die in der zweiten Gruppe aufgezählten Handlungen infolge ihrer größeren Kompliziertheit sich in bezug auf שבות von den einfachen Akten der dritten Gruppe unterscheiden. 4) Eine besonders anschauliche Analogie zu unserem Thema bildet der Ausdruck?כלת כלצוד (Berachoth 20 a) als dessen Gegensatz implieite כלת דרמוות bezeichnet werden könnte. Der Ausdruck :כלצוד bedeutet hier selbstverständlich keineswegs, daß das Bestatten anderer Toter keine Mizwa sei.