Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 245 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur talmudischen Exegese. 245 bezieht. Im dritten Satz ist ראשית pleonastisch, da doch בכורי genügt hätte. Die zitierten drei pleonastischen Ausdrücke bezeichnen aber durchaus keine Einschränkung. Wir sind daher berechtigt anzunehmen, daß auch bei unserm Satz der einschränkende Ausdruck אמו nicht wörtlich zu verstehen, sondern als pleonastischer Ausdruck anzusehen ist, und daß die Deutung der Tradition dem tieferen Sinn des Satzes gerecht geworden ist, wenn sie darunter das umfassende Verbot von בשר בחלב begreift. II. Chulin 27 a wird die Frage aufgeworfen מנין לשחיטה שהיא ״ מן הצוארWoher weiß man, daß die Schechita durch Halsschnitt erfolgt?״ Die Frage wird dahin beantwortet, daß dies auf Überlieferung beruhe. Gleichzeitig werden aber etymologische Erklärungen der Worte שחט und זבה gegeben z. B. במקום ״ שפה הטהוOpfere es dort, wo seine Stimme ist.“ במקום שזב הטהו ״Opfere es dort, wo das Blut fließt.״ Und es wird an diese Etymologien die Bestimmung angeknüpft, daß man nicht das ]Rückgrat durchschneiden dürfe. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß diese Etymologien des Talmuds volkstümliche und nicht sprachwissenschaftliche sind. Sie sind eine Form, die einen dahinter liegenden Gedanken zum anschaulichen Ausdruck bringen soll. Das Befremdliche dieser Etymologie wird erheblich gemildert, vielleicht sogar ganz beseitigt, wenn wir berücksichtigen, daß es sich hier um nichts weniger als um willkürliche Wort- Verbindungen handelt, daß vielmehr bei genauerem Hinsehen der Klang des Wortes שהט auf den Halsschnitt hinweist. שחט ist ganz deutlich ein onomatopoetisches Wort, welches das Zischen des aus dem durchschnittenen Hals mit Heftigkeit hervorströmenden Blutstrahls wiedergibt, (Ähnlich זבה). Wird das ]Rückgrat mit durchschnitten, so wird bekanntlich der Blutausfluß gehindert1). Der talmudischen Etymologie liegt also hier der einfache Gedanke zugrunde, daß aus dem Klang des Wortes auf seine Bedeutung geschlossen werden kann. 1J Damit ist auch die Frage von Tossafot, Stichwort ותו beantwortet, wieso ans ושחט folge שלא לשוייה גיסטדא.