Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 244 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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244 Zur talmudischen Exegese. dem Jore Dea, weil dort der Schriftvers nach Maimonides (H. maach. ass. 9, 2), der sich auf einen Midrasch stützt, aus״ drücklich wörtlich aufgefaßt und hinzugefügt wird דבר הכתוב ״ בהווהdie Schrift spricht von dem, was in der Regel zu geschehen pflegt“. Die letztere Erklärung, die mutatis mutandis von den meisten Kommentatoren, soweit sie den einfachen Wortsinn vom Drasch unterscheiden, gegeben wird, erscheint in der Tat als die be־ achtenswerteste. Besonders bemerkenswert ist Raschbam. Man vergleiche ihn und die andern Kommentatoren, insbesondere Hoffmann, das Buch Deuteronomium S. 2Ö5 f. Ich möchte nun einen andern Weg versuchen, um darzutun, daß die Tradition, die den Satz in der umfassenden Bedeutung von בשר בחלב erläutert, im Text der Schrift selbst ihre Stütze habe. Es ist meines Wissens bisher der Umstand nicht beachtet worden, daß in den mit unserm Satz in Verbindung stehenden Versen sich pleonastische Ausdrücke finden, die überflüssig erscheinen. Der betreffende Abschnitt lautet Ex. 23 ״Opfere nicht bei Gesäuertem das Blut meines Opfers. Das Fett meines Festopfers übernachte nicht bis zum Morgen. Das Erste der Erstlinge deines Bodens bringe in das Haus des Herrn deines Gottes. Du sollst das Junge nicht kochen in der Milch seiner Mutter.“ Im ersten Satz erscheint pleonastisch das Wort דם Blut. Die Verbindung זבח דם ist sehr auffallend, da man doch nicht das Blut schlachtet, sondern das Tier. Im zweiten Satz ist das Wort חלב Fett auffallend, da sich doch das Verbot nicht nur auf diesen Teil, sondern auf das ganze חג d. h. Festopfer bedarf der Erklärung, wie es möglich ist, aus der dreimaligen Wiederholung desselben Wortes zweimal drei Folgerungen zu ziehen und noch dazu Je drei einander widersprechende, zur Hälfte einschränkende und zur Hälfte erweiternde. Der Gedankengang dürfte folgender sein: גדי» bezeichnet gegenüber בשר sowohl eine Einschränkung als auch eine Er- Weiterung. Eine Einschränkung insofern גדי die Spezies gegenüber der Gattung בשר ist. Eine Erweiterung, insofern גדי als Ganzes mehr enthält als der Teilbegriff בשר. Dieser doppelte Gesichtspunkt ermöglicht im Sinne des halachischen Drasch, aus der dreifachen Wiederholung sechs Folgerungen zu ziehen.