Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Kulturhöhe und Fall einer Weltmacht. erkanntes Völkerrecht mit Füßen getreten wird, kann uns jetzt nickt mekr wunder nehmen. Aber wenn unter äußerer Aufreehterhaltung der freundschaftlichen Beziehungen starke Mächte ein kleines Land vergewaltigen und seine Häfen, seine Be* festigungen gegen seinen Willen für ihre Zwecke mißbrauchen, so gewinnt man eine eigenartige Anschauung von dem Hechtsgefühl, dessen sich gerade jene Völker mit so großem Nach* druck rühmen1). Erst jetzt erleben wir wieder das Schauspiel, <Laß mächtige Nachbarn einen kleinen Staat zwingen wollen, aus der gewissenhaft beobachteten Neutralität herauszutreten und sich durch Schließung seiner Grenzen an der Aushungerungspolitik gegen Deutschland zu beteiligen. Vor Raub und Erpressung und jeder Art von Gewalttat schrecken diese hochkultivierten Nationen nicht zurück, wenn sie ihre eigene Stellung ג) Wir haben ־ans oft genug gegen den bei uns grassierenden Engländerhaß ausgesprochen (Vgl. u. a. Jeschurun I Heft 12 II Heft 2). Das schließt nicht aus, daß wir über die Handlungsweise der feindlichen Völker ein Urteil abgeben. Ein Gradmesser und nicht der schlechteste für Recht und Unrecht der Völker ist ihr Verhalten gegenüber den Juden. Hiebt wie man dem Starken, sondern wie man sich dem Schutzlosen gegenüber benimmt, das ist der Maßstab für das Rechtsgefühl. Die Verieugnung dieses Rechtsgefühls, wie sie s. Z. in der Rede des Fürsten Büiow über ״Mandelstamm und Silberfarb“ als die vod den russischen Pogroms Gehetzten in Deutschland Zuflucht suchten, zutage trat, die wird jetzt tausendfältig heimgezahlt in dem Haß der demokratischen Völker gegen Deutschland. England und Frankreich galten immer als ^Zufluchtsstätte der vor dem Druck ihrer Heimat Geflohenen. Dieser Ruhm war billig erworben, solange die Gastfreundschaft mit keinem Interesse kollidierte. Nach übereinstimmenden Meldungen, die unwidersprachen geblieben sind, werden jetzt alle russischen Juden, die im Vertrauen auf die altberühmte Zufluchtsstätte nach England geflüchtet, von der englischen Regierung zur Ableistung ihrer Militärpflicht an Rußland ausgeliefert. Die russischen Blätter kündigen diesen Opfern schon an, daß sie vorzüglich als Kanonenfutter Verwendung finden werden. Das bibelkundige England hört nicht auf die Mahnung der Bibel: Dt. 23, 16: ״Du sollst den Knecht seinem Herrn nicht ausliefern, wenn ־er sich zu dir von seinem Herrn geflüchtet“. So können wir es unserem ^Gewissen gegenüber wohl verantworten, wenn wir dem obigen Aufsatz Raum geben, der in dem Schicksal von Zor das Schicksal Englands verkündet sieht. Der Herausgeber.