Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 235 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Tesdjurun 3. Jahrgang Kulturhöhe und Fall einer Weltmacht. Von Prof. Dr. A. Feilchenfeld-Fürth. In dem jetzigen furchtbaren Völkerringen bedrückt uns neben den schweren Opfern, die der Krieg von den Kämpfenden und auch von unserm Vaterlande fordert, besonders der Niedergang der Moral, der sich in dem Verhalten hochgebildeter und hochentwickelter Völker ausspricht1). Daß im Kriege die Kämpfenden alle ihre Kraft aufbieten, um möglichst viele Menschen auf der Seite des Gegners kampfunfähig zu machen, ist natürlich und notwendig. "Wenn aber in einer Rede weit hinter der Front ein Minister seinem Volke die Aussicht eröffnet, mit Hilfe der neugeworbenen Truppen in jeder Woche 30000 Deutsche zu töten und auf diese Weise den endlichen Sieg zu gewinnen, so schaudert man vor dem Zynismus, mit dem hier viele Tausende blühender Menschenleben als Faktoren in die Rechnung eingesetzt werden, deren Ergebnis die Mehrung der Macht und Handelsgröße Englands sein soll. Oder wenn eine Regierung sich nicht scheut, das Verhalten eines Schiffskommandanten zu rechtfertigen, der die wehrlose, zur Ergebung bereite Besatzung eines vernichteten deutschen Unterseebootes kalten Blutes niederschießen läßt, so bekundet sie damit, daß sie Gerechtigkeit und Menschlichkeit als gänzlich gering zu schätzende Eigenschaften betrachtet. Daß Bundestreue um schnöden Gewinnes willen schmählich verraten und sonst an- *) Ygl. Wohlgemuth, DerWeltkrieg im Lichte des Judentums, S. 24. 15