Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 4 (April 1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 227 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Die alte Zeit. 227 I 3 s j i Aber wißt ihr warum? weil ich viele Jahre hindurch den alten Raw sei. Andenkens gekannt habe, und der neue Raw ist dem alten gegenüber — trotz seiner Geistesgröße — „was ein Wochentag gegenüber dem Sabbat“. Ich liebte ihn, wie einen Vater; und in seinem Hause war ich ein ständiger Gast. Die Rebbezin sei. Angedenkens war wie ein Engel Gottes. Liebevoll und barmherzig, empfing sie jeden mit besonderer Freundlichkeit, eine echte Jüdin, (tlber die neue Rebbezin spricht man allerlei, doch ich will nicht klatschen). In seinem Alter trug der Raw sich viel mit dem Gedanken, nach Erez Jisroel zu gehen. Oft saß ich bei ihm, wenn er so in Gedanken versunken war. Dann wendet er sich mit einem Male zu mir: „Perez, man müßte nach Erez Jisroel gehen.“ „Rabbi, zusammen mit allen Juden,“ antwortete ich. Da dachte er ein wenig uaeh? seufzte und sprach: Ja, das wäre sicher das Beste, aber die Zeit des Messias ist noch nicht da. Aber die Reise dorthin war ihm dadurch erschwert, daß er arm war, und um dort zu leben, muß man bekanntlich vermögend sein. Aber er wollte so gern hinziehen und im heiligen Lande wohnen. Tränen traten ihm in die Augen, wenn er davon sprach. Und was meint ihr? sein Wunsch ging in Erfüllung. Aber, ach, wer weiß, ob er auf die Erfüllung seines Wunsches nicht verzichtet hätte, hätte er gewußt. Die Wege Gottes sind gerecht. Wir dürfen uns nicht einmal Gedanken über sein Walten machen. Denn „was sind wir, was ist unser Leben?“ Ich sage dies in Gedanken an die alte Rebbezin sei. Angedenkens. Wir wissen ja alle, und so steht es auch in unseren heiligen Büchern geschrieben, daß Erez Jisroel ein heiliges Land ist, und als Israel vor Gott sündigte, spie das Land es aus. Nicht wahr?! Das ist doch so! Daraus schließen wir, daß wer dort wohnen will, des „Verdienstes der Frommen“ bedarf, die gute Werke ausgeübt haben. Und wer kann sich mit unserer Rebbezin in bezug auf ihre guten Taten messen? Siebenunddreißig Jahre lebte 15*