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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 225 (sequence 49)
Language
German
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Die alte Zeit. 225 Chaje-Odom beiseite und liielt seinen Schülern Moralvorträge, um sie zur Buße anzufeuern. Was aus seinem Munde kam, waren Perlen, voller Anmut flössen die Worte dahin. Andächtig lauschend saßen die Zuhörer da, die Augen auf den Lehrer und ihr Herz zum Himmel gerichtet. . . Hier hörte man einen seufzen, dort sah man Tränen. Viele wurden durch ihn zur Einkehr bewogen. Darum liebten die Schüler ihren Lehrer so von ganzem Herzen. Am Simchath-Thora suchten ihn seine Schüler immer in seiner Wohnung auf, sie aßen, tranken und tanzten zusammen. Dann trugen sie ihn auf den Händen nach der Synagoge. In solchen Augenblicken fühlte sich R. Jeruchom im siebenten Himmel. Ich will nur betonen, daß R. Jeruchom nicht etwa — Gott behüte — Honorar für seine Vorträge angenommen hat. Damals, als er sein Vermögen verloren hatte, wollte einmal der Vereinsvorstand ihm ein Gehalt aussetzen, er aber antwortete: „So arm bin ich nicht, daß ich meinen Anteil an der künftigen Welt verkaufen müßte.“ Das war R. Jeruchom. Seine Kinder drangen, als sie in Amerika zu Vermögen gekommen waren, in ihren Vater, er möchte zu ihnen kommen und sich dort niederlassen. Anfangs spottete R. Jeruchom über ihre Phantasien. Er würde wohl auf seine alten Tage nach einem so „frivolen * Lande aus wandern?! Aber als seine Freunde gestorben waren, wurde er andern Sinnes; er machte sich doch schon Gedanken. Und als die Kinder erklärten, daß sie ihm dort alles gewähren wollten, was er sich nur wünschte, daß sie sich alle so sehr nach ihm sehnten; daß ihr Leben ohne ihn kein Leben wäre, und daß er dies schon seiner Enkel wegen tun müßte, da es dort niemand gäbe, der sie im altjüdischen Thorageist erziehen könnte, (die Kinder wußten, an welcher Stelle sie das Vaterherz packen mußten), da ließ R. Jeruchom sich überreden und willigte darein, seine Heimatsstadt zu verlassen. Als die Kunde die Stadt durcheilte: R. Jeruchom geht nach Amerika! da trauerte die ganze Stadt. Sie hatten auch 15

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