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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 224

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 224 (sequence 48)
Language
German
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224 Die alte Zeit. in ein irdenes Gefäß getan. Was bleibt übrig, wenn man den Wein ausgegossen? Das ist immer der Streit zwischen mir und meinen Kindern — sie sollen leben — sie klagen immer über ihre Armut und beneiden die Leute, die ihr gutes Auskommen haben. Und ich frage sie immer: wenn ihr, liebe Kinder, schon jemanden beneiden wollt, warum beneidet ihr nicht diejenigen, die den ewigen Reichtum — die Thorakenntnisse — besitzen? Ein Jude darf Gott nur um das tägliche Brot bitten, wozu braucht er Reichtum? Das sage ich immer, wenn ich an R. Jeruchom denke. Seine Kinder waren nicht so wie er; als der Vater das Vermögen verloren hatte, hatten sie alles verloren. Und was, taten sie? Sie gingen nach Amerika, dort war ihnen das Glück hold und es gelang ihnen* in kurzer Zeit ein Vermögen zu erwerben. Und nun waren sie wieder „glücklich“. Man sagt aber, daß es in Amerika kein „Judentum“ gibt. Sabbate und Festtage werden dort entweiht — an Thora gar nicht zu denken. — Doch was kümmert sie dies? soll Gott dafür sorgen! Und sie — sie gingen hin, um sich eine Existenz zu gründen und das gelang ihnen ja! Anders ihr Vater R. Jeruchom. Auch als er sein Geld verloren hatte, blieb ihm noch ein reicher Schatz, die Thora Seine Geschäfte hatten aufgehört, aber ein „Geschäft“ war ihm geblieben, ein gutes Geschäft, wo man die Zinsen auf dieser Welt verzehrt, während das Kapital für die künftige Welt erhalten bleibt. R. Jeruchom lernte Thora und lehrte auch andere. In zwei Vereinen pflegte er seine Vorträge zu halten: in einem „Misehna-“ und einem „Chaje-Odom“-Verein. Er war ein seltener Lehrei. Ihr wißt ja, wer einem „Chaje-Odom“-Verein angehört, meist schlichte Leute: Schneider und Schuhmacher, Tischler und Kutscher. Wer mit solchen Leuten umgeht, muß klug und taktvoll sein, will er seine Autorität wahren. Und so war R. Jeruchom. Wenn der Monat Elul herankam, legte er den

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