Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 4 (April 1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 216 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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2i6 Max Brods Koman ^Tycho Brakes Weg zu Gott“. Max Brod hat in diesem Buch sich zu einer Höhe der Lebensweisheit emporgeschwungen, wie wir sie in seinen unruhigen, mehr einer sozialen Problemstellung zugewandten früheren Romanen „Jüdinnen“ und dem furchtbar zerklüfteten „Arnold Beer“ noch nicht finden. Welch liebevoll sinnende, allverstehende G-üte liegt in der Behandlung des Freundschaftsverhältnisses zwischen dem gelehrten Tycho und seinem so ganz anders gearteten Freund und Jünger Kepler, wie lyrisehknospenhaft ist die Entwicklung des Verhältnisses gezeichnet, wie sehnsuehts- und schicksalsschwer das Werben dieses Einsamen um die spröde, leidenschaftslose Freundschaft Keplers! Welche Selbstopferung und Überwindergröße, bis er sie erworben hat! Dies alles ist mit hohem ethischen Pathos geschrieben, und die edle Linie in Form und Sprache bis am Ende beibehalten. Wie vorzüglich charakterisiert sind die Personen durch kleine Einzelzüge: die stete Frage Tychos an jeden Neueintretenden: „Ist es eine schlechte Nachricht?“ oder Keplers Auf drücken von zwei Fingern an die Stirne bei jeder Erregung. Solche Bilder, wie das folgende, sind in dem Buche nicht selten: „Er glich einer Felsenquelle, die auch von der schwülsten Hitze eines Sommertages nichts annimmt.“ Oft ist ein echter mittelalterlicher Landsknechtston getroffen. Man fühlt sich an die derbe Gestaltungskraft einer Handel-Mazetti erinnert. Klug erwogen und sparsam in Worten ist die Begegnung Tychos und des Rabbi gezeichnet. Der Rabbi auf einen Mittelton des Ehrfurchtsvollen und Lebensklugen gestimmt, jüdisch und doch nicht jüdelnd, gleich einem Rembrandtschen Rabbinerbilde. Das jüdische Element ist mit dichterischer Liebe für das Eigenwesen eines Volkes gegeben, fern von jeder Schönfärberei, und doch in edler Auffassung der Wirklichkeit. Nicht durch tiradenhafte Auseinandersetzungen^ sondern durch lebensatmende Darstellung von Charakterbildern predigt der Roman letzten Endes das jüdische Ideal von “ViDr, das Hfc'ycn Brnon *6, die Lehre, welche nicht eine vita contemplativa, nicht klösterliche Abgezogenheit vom Leben, sondern eine activa, die lebenwirkende Tat von ihren Be-