Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 4 (April 1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 217 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Max Brods Roman „Tycho Brahes Weg zu Gott“. 217 kennern fordert. Nicht im Mysticismus oder Quietismus gipfelt das Leben dieses nach Wahrheit ringenden gelehrten Christen, sondern in der Lehre von der Göttlichkeit des tätigen Menschen und der inneren Wechselbeziehung zwischen Gotteswirken und Menschenwirken. Zu diesem Höhenflug menschlicher Erkenntnis schwingt sich Tycho erst infolge der Begegnung mit dem Weisen Rabbi Löwe auf. Kein Goluszug furcht das Antlitz dieses jüdischen Weisen, kein unfrohmachender Judenschmerz verdunkelt sein reines, inGott verankertes Dasein. Von hoher Kunst der Menschenbehandlung zeugen auch die andern Gestalten um die Hauptgestalt Tychos: Elisabeth^ Tychos Tochter, in ihrer wunderbaren Mischung impulsiver Leidenschaft und klarer Bewußtheit ein Abbild des Vaters, Tengnagel, der in seiner maßlosen Eitelkeit zwischen Pathos und Komik schwankende Schwiegersohn; dann Hagecius, der ewig skeptisch, kühlrechnende Höfling, sie seien nur mit einem Wort erwähnt. * * * Halten wir die beiden Romane von Meyrink und Brod -einen Augenblick nebeneinander, und fragen wir, was sie uns als Juden in der Auffassung jüdischen Wesens wert sind, so gewinnen wir die Überzeugung, daß Max Brod in seinem kleinen Ausschnitte aus der untergegangenen Größe des Prager Judentums viel tiefere Probleme anregt und ein feinsinnigeres abgerundetes Miniaturbild bietet, als Meyrink in «einem groß angelegten, doch meist grob gezeichneten Plakathilde. 999999