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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 215 (sequence 39)
Language
German
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Max .Brods Eoman „Tycho Brahes Weg zu Gott“. 215 lösen, das fühlte er, von diesem Rabbi hatte er Auskunft über die Wurzel seines Schicksals zu erbitten, den Grund aller seiner verfehlten Unternehmungen, aller Kränkungen, Beleidigungen und Gefahren von innen und außen, die er seiner Lehre wegen erlitt“ (p. 387). Der Rabbi zeigt ihm den wahren Weg zum Lebensglück: Gott ist nicht der Helfer in der Not, nicht steht es uns zu, von Ungerechtigkeit und Schicksalstücke zu sprechen, sobald uns das Leben manches versagt, nicht sind wir auf Erden, um glücklich zu sein, sondern um glücklich zu machen. Wie das Volk Israel alle Leiden auf sich nimmt, um Gotteszeugnis vor allen Völkern abzulegen, so hat jeder Mensch durch sein Leiden für andere an der Schöpfung Gottes und an Seinem Weiterwirken in der Welt Anteil. Diese Erkenntnis seiner Aufgabe bringt Tycho die höchste Läuterung. Er findet in der letzten Audienz bei Kaiser Rudolf den Mut zu dem Bekenntnis: „Er, mein Nebenbuhler, Kepler ist der Größere, ihn ernennet zu meinem Nachfolger!“ So wird er zum Schöpfer, zum Schöpfer von Menschenglück. Dies ist seine höchste Stunde, die Krönung seines Lebens. Versuchen wir Tychos Gedankenreihen auf eine kurze Formel zu bringen, so ergibt sich, daß Brod zuerst in Sehopenhauerschem Sinne die Mitleidstheorie verficht, weil er von der Verelendung alles menschlichen Tuns überzeugt ist, dann aber Lebensbejahung aus der Spruchweisheit des Judentums schöpft und sich als Teil der Wirkursachen des Guten im Weltgetriebe empfindet. Allerdings betont der Verfasser u. E. zu sehr den Leidenscharakter des jüdischen Volkes als Gott wohlgefällig und legt zu wenig Nachdruck auf das pflichtmäßige Gutsein und Guthandeln als Grundpfeiler jüdischer Welterfassung, eine Darstellung, die allerdings die Ökonomie desRomans erfordert hat. Was sonst über dieses problemreiche und tiefanregende Buch zu sagen wäre, über seinen ästhetischen wie philosophischethischen Gehalt, gehört weniger vor das Forum dieser Zeitschrift. Einige Bemerkungen zur Würdigung des Werkes seien dennoch gestattet.

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