Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 4 (April 1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 213 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Max Brods Roman „Tycho Brahes Weg zu Gott*. 213 sein Zweifel ein. Die Lösung, die er gefunden hat, ist: das einzige Glück der Erdenkinder ist Helfen, einander Beistehen. Das ungelöste Rätsel aber bleibt bestehen. "Warum hilft Gott den Menschen nicht in ihrem Jammer? Wir sehen ferner, daß Tycho sich ganz und gar zur Weltanschauung des Pessimismus bekennt. Immer geschieht das Böse. Doch das neugewonnene Gedankensystem klärt und beruhigt ihn, indem er danach sein Verhältnis zu den andern, insbesondere zu seinem Freund Kepler, orientieren kann. Wahrhaft unglücklich ist nur eine kalte Natur wie Kepler, der, ohne Herz und ohne eine mitschwingende Seele, keine Verirrungen und Fehltrittsmöglichkeiten kennt und in der Unbeirrbarkeit des reinen Verstandesarbeiters marmorkühl bleibt. Der Überschwang des Herzens, die Hilfsbereitschaft gegen körperlich oder geistig Verkrüppelte (wie bei Tycho gegen den Zwerg Jeppe und die gefallene Elisabeth): diese Glücksmöglichkeit macht uns erst zu Gottesgeschöpfen, zu Mitarbeitern am Schöpfungswerke Gottes. Dies ist Tychos erste Stufe in der Erkenntnis auf dem Wege zu Gott). Noch bleibt eine Erbitterung gegen die göttliche Weltordnung in ihm: Warum hilft Gott den Menschen nicht? Menschlich und philosophisch ein ungeheures Problem. Aus dieser Wirrnis gewinnt er den Weg ins Freie durch seine Begegnung mit dem Hohen Rabbi Löwe, und hier setzt unser jüdisches Interesse an dem Roman ein. Gott bedarf der Anbetung der Menschen, so belehrt ihn der hohe Rabbi Löwe, bedarf der Dienste der Menschen, der Klugheit der Menschen, Gott braucht die Hilfe der Gerechten und Guten, Werktätigen, Stürmenden, mehr als die dumpfen bedächtigen, nachdenklichen Keplerseelen. Gott ist nicht bloß da, um die Gerechten zu stützen, sondern der Gerechte ist da, um Gott zu dienen und ihn zu stützen, ja, Gott läßt sich durch die Gerechten und Hohenpriester segnen (Berachot 7 *), und dieses ist der Sinn des Bibelwortes: Sie mögen mir ein Heiligtum bauen, sodann will ich unter ihnen wohnen (Exodus 25, 8). Zum Beweise führt der Rabbi unter anderem eine schöne Stelle an (Bera-