Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 4 (April 1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 211 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Max ßrods Eoman „Tycho Brahes Weg zu Gotta. 211 deutungslos, auch nimmt die äußere Handlung und die Milieuschilderung einen ziemlich geringen Raum ein. Es ist ein Ideenroman, der Verfasser stellt sich ein religiöses Problem. Nicht etwa das Suchen nach dem „Reich“, nicht Jenseitshoffnungen wie in Hauptmanns „Emanuel Quint “ erfüllen das Buch. Es ist vielmehr eine Art Faust oder Koheleth in Romanform. Schon die Wahl des Helden ist glücklich und neuartig. Den berühmten Astronomen und Astrologen Tycho de Brahe (gestorben 1601), den Günstling König Friedrich II. von Dänemark und Kaiser Rudolfs II., den Zeitgenossen und Bekannten des Hohen Rabbi Löb in Prag, beschäftigt auch die ewige Frage der Theodicee: ib yvr\ 'b 5H1 die Frage nach dem Ursprung und der Berechtigung des Übels in der Welt. Ist die Summe des Übels größer im Leben als die des Glücks? Gibt es überhaupt ein Glück? Wo bleibt Gottes Allgüte in diesem Erdenjammer von Unzulänglichkeiten? — Tycho hat wie Koheleth eine glänzende Laufbahn hinter sich, mit Königen und Fürsten verkehrte er wie mit seinesgleichen, er führt einen fürstlichen Hof halt, zuerst auf der Insel Hwen in Dänemark, dann im Schlosse Benatek bei Prag, das ihm der Kaiser für seine Planetenforschungen überlassen hat, von bewundernden Jüngern und Freunden umgeben, die Welt hallt wider vom Klange seines Namens, schon hat er die Mittagshöhe seines Lebens und seines Ruhmes erreicht: — und doch, dieser Mensch ist nicht glücklich, heimlich verzehrt er sich in Zweifeln um den Bestand seines Glücks, fühlt sich als Opfer eines zu erwartenden tückischen Schicksals. Immer wieder zieht er, eine Art ruheloser Ahasver, von Ort zu Ort, Fürsten und Gönner wechselnd, schon bröckelt sein Ruhm, schon sind Neider und Skribenten am Werk, sein geozentrisches.System (erschienen 1585, nach Ptolemäus modifiziert) durch das heliozentrische kopernikanische zu ersetzen. Aber noch ganz andere Qualen, weit hinaus über faustische Ursehnsucht nach höchster Erkenntnis, zerwühlen seine Brust. Er will die Gesetze und die Ordnung der Natur korrigieren, ein ewiger Frühling soll blühen, er will nicht nur Fruchtbäume, 14*