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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 209 (sequence 33)
Language
German
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 209 mit elementarer Gewalt sich durchsetzen. Große Umwälzungen werden sich im Seelenleben der Ostjuden vollziehen. Daß diese Umwälzungen jenes Seelenleben nicht in ungeheure Gärung bringen, durch die alles Wertvolle und Keimkräftige zerstört wird, dafür ist die tunliche Erhaltung des Talmudstudiums in den alten Formen eine wesentliche Vorbedingung. Auch aus einem äußeren Grunde. Die Millionen der Ostjuden sehen nun einmal — bis auf den Bruchteil, welcher den Sozialdemokraten, den Assimilanten und den Zionisten sich angeschlossen hat, in den Rabbinern ihre geistigen Führer. Eine jede Erziehung zum Staatsgedanken, zur inneren Aneignung des Pflichtbewußtseins gegenüber den Staatsgesetzen und den staatlichen Anordnungen kann ihnen nur auf dem Umwege durch diese Führer vermittelt werden. Ihre Autorität kann unmöglich durch eine andere abgelöst werden, ohne daß eine völlige seelische Anarchie einreißt. Die Autorität genießen aber die Rabbiner nur kraft ihres Wissens und ihres frommen Lebenswandels. Und Wissen und Frömmigkeit ist wiederum für den Ostjuden nur auf Grund der intensivsten Beschäftigung mit dem Talmud zu erlangen. Weil er selbst ein „Wissender“ und „Frommer“ in diesem Sinne ist, wird er sich nur dieser Autorität, aber dieser Autorität immer beugen. * * * Von Deutschland und der Ostjudenfrage wollten wir handeln und vom Cheder und der Talmudschule haben wir gesprochen. Wir haben es freilich immer wieder unterstrichen, daß wir nur eine Seite des Problems herausheben, daß wir nur das Bildungsproblem behandeln wollten. Aber warum sollten wir es leugnen, daß wir einseitig sind, daß sich uns als die wichtigste und entscheidendste immer die eine Seite des Problems herausstellt? Wer die weltgeschichtliche Bedeutung und Aufgabe des Judentums als eine religiöse ansieht, der wird auch an dem Wendepunkt der Geschichte Israels, den wir heute erleben, sich zuerst die Frage vorlegen, wie wird die Religion 14

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