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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 201 (sequence 25)
Language
German
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 201 darfst du arbeiten und all deine Arbeit verrichten. Aber der siebente Tag sei ein Ruhetag dem Ewigen, deinem Gotte! Da darfst du keinerlei Arbeit verrichten: weder du, noch dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Tier usw.“ Man bemerke wohl: Klipp und klar ist hier ausgesprochen: Auch das Tier darf keinerlei Arbeit verrichten. Nun kann man doch wahrlich nicht vom Talmudjuden verlangen, daß er auf Paulus, von dem er nichts weiß, oder auf die Ideen moderner christlich- oder jüdisch-liberaler Theologen, von denen er noch weniger ahnt, Rücksicht nehmen und nun gegen den ausdrücklichen Wortlaut der heiligen Schrift die Sabbatarbeit der Haustiere als völlig gleichgültig ansehen sollte. Der Talmud hat nun über riCPO rirPZB' über die Sabbatruhe der Tiere sehr weit ausgesponnene Erörterungen und der Talmudbeflissene ist mit dem Talmud der Meinung, daß diese Erörterungen eine Beschäftigung mit einer religiösen Frage bedeuten, die für das Leben des Menschen sehr viel wichtiger ist als viele Dinge, die die Menschen sonst treiben. Es ist so unfaßbar, daß große Gelehrte, die im Abwägen ihrer Urteile streng geschult sind, und die Fähigkeit haben, sich in die Gedankengänge eines jeden Autors zu versetzen, jede Objektivität vermissen lassen, wenn es um die Behandlung des Religionsgesetzes im Talmud geht. Sie dürfen ihrerseits der Meinung sein, daß diese Offenbarung nicht göttlich ist, daß sie, wenn sie auch von Gott ausging, später durch eine andere Offenbarung abgelöst wurde, daß sie inhaltlich wertlos ist, weil sie sich auf Lebensbetätigungen erstreckt, die mit Religion nichts zu tun haben. Das alles mag ihre Meinung sein. Aber wer gibt ihnen das Recht, den Talmud nur deshalb lächerlich zu finden, weil er das, was von ihm als Gotteswort angesehen wird und angesehen werden muß, weil es in seinem Buche Gottes steht, mit solch hingebender Liebe nach allen Seiten durchforscht und ergründet. Der konservative Christ, dem auch das Alte Testament zur heiligen Schrift gehört, sollte sich sagen, daß jeder Schlag, den er hier

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