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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 199

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 199 (sequence 23)
Language
German
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 199 durch praktische Anwendung zu steigern und es zu einer überragenden Macht im Gefühlsleben der Jugend zu machen^ damit im künftigen Leben und Wirken der Wille von hier aus seine Richtung erhält. Das ist bekanntlich nicht der Fall, nicht einmal in der Volksschule und noch weniger in den höheren Schulen. Das liegt nicht an dem inneren Widerspruch zwischen der „nationalen“ und der „christlichen“ Erziehung. Da wäre zur Not eine Brücke zu schlagen, gelingt es ja auch mitten im Kriege den berufenen Führern, hier einen Ausgleich zu schaffen. Es liegt ebensowenig an dem guten Willen der verantwortlichen Leitung, deren aufrichtiger und von sittlichem Ernst getragener Wunsch es ist, dem Volke die Religion zu erhalten. Es ist in der Natur der christlichen Religionsauffassung — wir denken da vor allem an den Protestantismus — gegeben. Wo die eigentlich religiöse Betätigung sich auf den Sonntagsgottesdienst beschränkt, wo sie sonst als rein individuelle Herzenssache gilt, da fehlt sozusagen das Erziehungsob je kt und das Erziehungsmittel für eine über viele Jahre sich erstreckende intensive religiöse Erziehertätigkeit. Es liegt uns völlig fern, ein Werturteil über den christlichen Religionsunterricht abzugeben. Wir wissen ganz gut, daß er in den höheren Schulen oft von ausgezeichneten Lehrkräften und von großen Gesichtspunkten erteilt wird. Aber er ist auf wenige Stunden in der Woche beschränkt — zumeist nur zwei — und völlig undurchführbar — selbst wenn die Zeit zur Verfügung gestellt würde, — wäre schon aus Mangel an Stoff der Anspruch, daß der größte Teil der Stunden dem Religionsunterricht zugeteilt würde- Für die niederen Schulen kommt noch hinzu, daß das Erziehungsobjekt versagen würde. Denn für die Gedanken über die letzten Aufgaben des Menschen und das Ziel der Menschheit ist jene Altersstufe nicht reif. Anders in jener Talmudschule des Ostjudentums. Da wird genau genommen nur „Religionsunterricht“ erteilt. Denn der einzige Unterrichtsgegenstand ist die Thora, und was sie an Vorschriften des Rechts und der Ethik enthält, hat in dieser

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