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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 198 (sequence 22)
Language
German
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198 Deutschland und die Ostjudenfrage. Mag an der systematischen Gliederung noch soviel subjektive Zutat sein, mag Lazarus in die talmudischen Sätze noch so viel hineingelegt haben, was geistiges Gut der modernen Zeit ist, es bleibt noch so unendlich viel an ethischem Material von Originalität und Bedeutung übrig, daß die erzieherische Bedeutung des Talmudstudiums für die „Versittlichung“ des Menschen über jeden Zweifel erhaben ist. So dürfen wir mit Hecht jene „Einheitsschule“ des Ostjudentums als eine ganz einzigartige Institution bezeichnen. Nirgends sonst ist der Versuch gemacht, mit einem solchen Aufwand von Zeit und Kraft den Unterricht in ethischen Problemen zu erteilen. 3. Video meliora proboque peiora et sequor. Das Wissen des Guten verbürgt nicht das gute Handeln. Die „Erziehungsschule“ wird daher in weit höherem Maße noch als die „Lernschule“ auf den Willen zu wirken suchen. Der Intellekt vermag aber bekanntlich nicht den Willen unmittelbar zu bestimmen. Er bedient sich dabei des Gefühls. Motiv für die Willensrichtung kann niemals eine Vorstellung an sich sein, sondern nur ein starkes Gefühl. Das staatliche Unterrichtswesen bei uns zu Lande ist darauf gerichtet, den Willen mannigfach zu bestimmen. Es will die anvertraute Jugend zu pfiichtgetreuen Staatsbürgern, zu todesmutigen Vaterlandsverteidigern erziehen, aber ebenso zu guten Menschen, welche die Tugend der Demut, der Selbstentsagung u a. üben sollen. Demgemäß sucht es verschieden auf das Gefühl der Jugend zu wirken, in den Unterrichtsfächern Geschichte und Deutsch das Nationalgefühl auszubilden, in „Religion“ all die Gefühle, welche den Christenmenschen beseelen sollen. Nach dem Paulusworte von dem tönernen Erz und der klingenden Schelle müßte es Aufgabe der christlichen Erziehungsschule sein, zum alles beherrschenden Prinzip des Unterrichtssystems die christliche Liebe zu machen und alle Mittel müßten darauf verwandt werden, dies Gefühl immer wieder von neuem zu wecken, durch Lektüre,

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