Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 4 (April 1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 181 das vollkommenste ist, soll und kann wohl kaum bestritten werden. Wir wollen, obwohl wir wissen, daß die Durchführung eine Utopie ist, um unserer späteren Ausführungen willen in einigen Worten zeigen, wie der geschilderte Dualismus, an dem unser Schulwesen krankt, in idealer Weise überwunden werden könnte. Die Einheitsschule müßte so hoch wie möglich hinaufgeführt werden. Da sie einerseits Charaktere bilden soll, und der Charakter sich erst nach den Pubertätsjahren in seiner Eigenart entwickelt und sachgemäß zu bilden ist, da sie andrerseits Anlage und Begabung für den künftigen Beruf feststellen soll und auch diese erst spät in die Erscheinung tritt, und da sie drittens, um eine Homogenität in der Wissens¬ und Charakterbildung des Volkes herzustellen, ein verhältnismäßig großes Maß auch stofflichen Wissens vermitteln muß, so kann die Grenze nach oben nicht hoch genug gesteckt werden. Das Ideal wäre die Forderung, daß die Schüler hier so lange blieben wie die Abiturienten unserer heutigen höheren Schulen. Alles, was nur dazu dient, für einen besonderen Beruf vorzubilden, wäre auszuschalten. Nachdem in den ersten drei Jahren etwa das Pensum unserer jetzigen Vorschulen erledigt würde, müßte in drei Zyklen von drei Jahren, jedesmal entsprechend erweitert und von höheren, umfassenderen Gesichtspunkten aus, all das gelehrt werden, was geeignet ist, die Jugend sittlich und religiös zu festigen, sie mit nationalem Stolz auf ihre Vergangenheit zu erfüllen und ihnen die nationalen Ziele der Gegenwart und einer nahen Zukunft zu zeigen, sie mit allem vertraut machen, das sie befähigt, zu entscheiden, was sie dem Staate, was sie der Menschheit schuldig sind. Die Jugend müßte einen Einblick gewinnen in die Bedeutung des Hechts, wie nicht blinde Hache und das Streben, das Eigentum einer Herrscherkaste zu schützen, hier waltet, sondern der Wunsch, die vielfach verschlungenen und oft sich befehdenden Interessen auszugleichen. Der Sinn für die sozialen Ideen der Zeit muß ihr auf gehen, was sie in der Nationalökonomie, der Weltpolitik und als Elemente der sittlichen Grundanschauung bedeuten. Alles