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Jeschurun · 1916-04-01 · Heft 4 (April 1916) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 4 (April 1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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Deutschland und die Ostjudenfrage. 179 nissen begonnen wird. Die Schulen müssen also schon in den Unterstufen auseinanderstreben. Andererseits hat die Einheitsschule nur dann einen Sinn, wenn sie möglichst lange die Schüler behält. Der Vorschlag, der schon als der weitgehendste gilt, den Kindern die ersten sechs Jahre die gleiche Schulbildung angedeihen zu lassen, muß ja selbst als ein Kompromiß angesehen werden. Auch nach vollendetem zwölften Jahre ist das Kind zumeist ein unbeschriebenes Blatt. Die tiefgreifendste Veränderung im Seelenleben des Schülers geht erst in den folgenden Jahren vor sich, und eine Entscheidung, ob das Kind begabt und wofür es veranlagt ist, ob für die Praxis oder die Theorie, und ob im letzten Falle für Natur¬ oder Geisteswissenschaft, die ist erst viel später zu treffen. Der Grund, weshalb diese beiden Forderungen sich widersprechen müssen und Befürworterund Gegner nie daran denken können, ihr Ideal restlos verwirklicht zu sehen, liegt auf der Hand. Er ist in dem Widerspruch gegeben, der dem staatlichen Unterrichts wesen der modernen Zeit an sich anhaftet und der gerade tort, wo dies, wie in Deutschland, das relative höchste Maß der Vollendung erreicht hat, am schärfsten sich geltend machen wird. Der Staat will einerseits alle Glieder des Volkes ausnahmslos zu Menschen erziehen, die sie, was ihre sittliche und religiöse Anschauung betrifft, ihr nationales und staatsbürgerliches Bewußtsein, ihre Fähigkeit, sich im Leben in jedem künftigen Berufe zurechtzufinden, auf eine möglichst hohe Stufe hebt. Er braucht Erziehungsschulen. Aber er braucht andererseits Lern schulen, er will in seinen Unterrichtsanstalten auf allen Gebieten menschlicher Betätigung Fachleute ausbilden, die nur dann das Höchstmaß an Leistungen zustande bringen, wenn sie sich spezialisieren. Natürlich wird auch der bedeutende Spezialist aus einer umfassenden und vielseitigen Bildung großen Gewinn ziehen, wie andererseits die sittliche, religiöse, staatsbürgerliche allgemeine Bildung vertieft wird, wenn auch die Grundelemente mancher Sonderdisziplinen in sie aufgenommen werden. Aber was für Einzelne von Wert ist, ist nicht für Institutionen durchführbar, die mit den Massen

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