Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 3 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 174 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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17 4 Neuerscheinungen der talmudisehen Literatur. sich für keine Disziplin ohne eine starke subjektive schematisierende Tätigkeit ein Lehrgebäude errichten lassen. Aber auch diese Tätigkeit entbehrt bei ihm der Originalität und der großen neuen Gesichtspunkte. Was er z. B. über ״Stellung, Bestimmung und Beruf des jüdischen Weibes auf Grund der weiblichen Individualität“ (6. Kapitel) was er über das Gefühlsleben sagt (23. und 24. Kapitel) ״das ästhetische Gefühl“ subsumiert er merkwürdigerweise unter die moralischen Gefühle und definiert es als ״das Gefühl für das Schöne, Sittliche und Erhabene“, was er über die Willensfreiheit (26. Kapitel) u. v. a. äußert, das bleibt an der Oberfläche, und es wird nicht versucht, das Jüdische in seiner Sonderart herauszuheben. Das im einzelnen zu beweisen, verbietet uns der beschränkte Raum. Der Sachkenner wird das fast in jedem Kapitel bestätigt finden. Und demjenigen, der nicht den Maßstab einer streng wissenschaftlichen Untersuchung anzulegen wünscht, wollen wir die Freude an diesem Buch nicht verderben. Denn nur weil, soweit wir gesehen, die jüdische Presse diesen Gesichtspunkt, daß das Buch den Ansprüchen einer streng methodischen Untersuchung nicht entspricht, unberücksichtigt gelassen, haben wir diesen Mangel so unterstrichen. Wir dürfen es nicht auf uns sitzen lassen, daß wir ein Buch als ״die talmudische Pädagogik“ annehmen, das nur den Titel führen darf ״Pädagogisches aus dem Talmud.“ Zu oft ist uns schon von nichtjüdischer Seite entgegengehalten worden: ״Die wissenschaftliche Methode ist so, wie wir es von jener Seite gewohnt sind“. Sieht man aber von diesem Gesichtspunkt ab und betrachtet man das Buch als ein Mittel, uns die Gedanken, die unsere Weisen sich über die Erziehung gemacht und über die Art, wie sie sie verwirklicht haben, zu vermitteln, so stellt es eine sehr wertvolle Bereichung unserer Literatur dar. Dem Laien geht hier eine neue Welt auf und auch dem Kundigen ist die Anschaffung des Buches aufs wärmste zu empfehlen, da er nirgends das Material in solcher Vollständigkeit zusammenfindet. בית ירסן5 צבי zum Traktat Berachot von Dr. S. Carlebach, Rabbiner derisraelitischen Gemeinde Lübeck, Berlin 1915, Verlag Hausfreund, 640 S. In diesem Buche haben wir ein Gegenstück zu dem eben besprochenen. Hier ist nicht das Ziel zu weit gesteckt, sondern hier sammelt der Vf. ״still und unerschlafft im kleinsten Punkte die höchste Kraft“. Der Vf. hat sich die Aufgabe gestellt, das Talmudstudium zu erleichtern und dem Lernenden die Stellen, die in den der Talmudausgabe beigegebenen Erklärem nur in Andeutungen zitiert werden und die denjenigen, der nicht den ganzen Talmud beherrscht, oft zwingen, ganze Seiten nachzulemen, um nach langer Mühe endlich die Stelle zu finden, auf die es ankommt, im Auszuge vorzuführen und ihm die unge-