Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 3 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 173 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Neuerscheinungen der talmudischen Literatur. 173 Neuerscheinungen der talmudischen Literatur. Die talmudische Pädagogik als Wegweiser für Schule und Haus im Lichte der Gegenwart dargestellt von I. Ster, Breslau. Selbst־ verlag des Verfassers. 1910. 402 S. 8°. Über die Gedankenwelt des Talmuds herrscht in weiteren jüdischen Kreisen ebenso wie in nichtjüdischen eine so krasse Unkenntnis, daß jedes Buch, das nur irgendwie geeignet ist, in ansprechender Form diese Gedankenweit zu vermitteln, mit Freude zu begrüßen ist. Das gilt von dem vorliegenden Werk in hohem Maße. Was irgendwie mit den Gedanken der Erziehung in Verbindung zu bringen ist, hat der Verfasser mit dankenswertem Fleiße aus den talmudischen Quellen zusammengetragen und dem, der den Talmud nicht beherrscht, und wie wenige gibt es, die in Westeuropa sich dessen rühmen können, hat er einen großen Dienst erwiesen. Auf jeder Seite liest dieser Interessantes und Neues und wird gefördert und erhoben durch die Fülle der Belehrung und die vielgestaltige Welt der Gefühle, die sich ihm erschließt. Hätte der Vf. mit seinem Werke nichts anderes geben wollen, so könnten wir sein Werk uneingeschränkt rühmen. Manche Härten des Styls, allerlei falsche Ausdrücke, die den Autodidakten verraten, manche Abschweifung und Weitschweifigkeit in der Darstellung, die zu beanstanden sind, fallen nicht so schwer ins Gewicht. Aber der Vf. nennt sein Buch: ״Die talmudische Pädagogik״, er will, wie er in der Einleitung ausführt, für die Pädagogik nach den mannigfachen Ansätzen von Markus, Lewit, Stein, Straßburger und Singer die talmudische Pädagogik uns geben und ein Seitenstück zu der ״Biblisch-talmudischen Medizin“ von Preuß der ״Ethik des Judentums“ von Lazarus usw. geben. Dann muß er es sich gefallen lassen, daß wir an sein Buch den Maßstab anlegen, der für eine wissenschaftliche Arbeit der angemesseneist. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Arbeit unzureichend. Der Vf. ist Pädagoge und beherrscht auch die pädagogische Terminologie. Um so unbegreiflicher ist es, daß er uns ein Buch als ״die talmudische Pädagogik“ ausgeben kann, daß den Anforderungen einer wissenschaftlichen Entwickelung der Grundlagen und der systematischen Darstellung des auf diesen Grundlagen sich aufbauenden Systems einer Erziehungslehre so gar nicht entspricht. Dazu kommt die kritiklose Benutzung der einzelnen pädagogische Wahrheiten enthaltenen Aus- Sprüche für den Aufbau dieser vermeintlichen Erziehunglehre. Endlich läßt er sich auch in der Wertung der einzelnen Aussprüche Übertreibung zuschulden kommen. Die Ehrfurcht vor allem, was im Talmud steht, darf uns nicht dazu verführen, in allen oft rein aga dis che n Sätzen den Niederschlag von Theorien zu sehen. Wir wissen, was uns der Verfasser entgegenhalten kann. Bei dem fragmentarischen Charakter des im Talmud vorliegenden Materials wird