Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 3 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Talmudische Miscellen. 165 Talmudische Miscellen1). Von Rabbiner Dr. S. Schiffer, Karlsruhe. III In Berachot V, 2 und Taanit I, 1 lehrt die Misehna מזכירין גבירות גשמים בתחיית המתים ״Man erwähne der Gotteskraft des Regens in dem Segens- Spruche von der Wiederbelebung der Toten״. Das Heldentum aller Zeiten bestand bekanntlich im tapferen Niederringen, im Töten anderer, im schonungslosen Zerstören feindlicher Existenzen, im Vernichten feindlicher Macht und Größe. Von Gott hingegen bekennen wir tief bedeutsam das Entgegengesetzte. ״Du, 0 Herr! bist ein Held in Ewigkeit, du belebest die Toten, bist reich im Helfen״ .״Du bist’s, der den Wind wehen und den Regen fallen läßt". Wie nämlich der Regen die verdorrte Pflanzenwelt, die durch die Glut der Sonne scheinbar erstorbene Natur erfrischt, zu erneutem Sprossen, Blühen und Wachsen ihr verhilft, so weckt Gott dereinst die im Staube Schlummernden zu neuem Leben. Und weil also der Regen solchergestalt den Glauben an die Wiederbelebung der Toten in uns wachruft und bestärkt, darum ist auch seine Bezeichnung die Gotteskraft des Regens und deshalb auch die talmudische Vorschrift: *Man erwähne die Gotteskraft des Regens in dem Segensspruch von der Wiederbelebung der Toten״. IV In Peßachim S. 112 a werden uns sieben Mahnsprüche Rabbi Akibas an seinen Sohn Rabbi Josua mitgeteilt, darunter der folgende: ״ עשה שבתך הול ואל תצטרך לבריותMache deinen Sabbat zum Werktag״ und gebrauche nicht die Mithilfe der Menschen44, ein Ausspruch, der des öfteren schon, ja sogar auf einer der Augsburger Synoden, allen Ernstes als Freibrief zur Sabbatentweihung durch werktägige Arbeit gedeutet wurde. Dieser zweifellos irrigen Auffassung versuchten seit jeher zahlreiche Autoren durch andere Auslegungen erwähnter Worte ף Vgl. Jeschurun II S. 329—332.