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Jeschurun · 1916-03-01 · Heft 3 (März 1916) · p. Seite 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 3 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 149 (sequence 21)
Language
German
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Gustav Meyrinks Roman ,,Der Golem“. 49 ז und einem Einschlag von Symbolistik und Mystik, unter dem Einfluß Strindbergs, Maeterlinks, J. P. Jacobsens und der fran״ zösischen Symbolisten, so bereitet sich eine neue Richtung auch im Judenroman vor mit Bevorzugung des Mystischen, des Chassidäisch-Übersinnliehen. Hier möchte Gustav Meyrink auf den Spuren seines Freundes Hans H. Ewers wandelnd bahnbrechend werden. Wie H. H. Ewers *) auf der Suche nach neuen Stoffgebieten (vergl. den Roman ״Der Zauberlehrling“ und besonders seine ״Seltsamen Geschichten“ und das Vorwort dazu) einen Drang zum Symbolisch-Mystischen, aber auch zum Sonderbaren, Satirischen, ja Grotesken zeigt, so will Meyrink dem Judenroman auch ein neues Gebiet erobern, indem er alte Sage und Überlieferung, an denen das Judentum auch der einzelnen Länder reichlichen Stoff bietet, in symbolische Gewandung bringt und einen dunkel-rätselvollen Hintergrund schafft. So führte ihn sein Suchen nach unbearbeiteten Gebieten auf die dankbare Prager Lokal-Tradition des ״Golem“* 2 3 * *). Wie die Dichter der Frühromantik möchte er in diesem Golem-Roman Poesie, Philosophie, Kulturgeschichte und Religion in einem Bilde vereinen, das Gespensterhafte zum Symbolischen erheben. II. Zum Verständnis der Entwicklung der Golem-Sage seien hier einige historische Daten vorausgeschickt8): Die biblische Bedeutung des Wortes גלם ist =־ Embryo (Psalm. 139, 16 hapax legom.); im Talmud bezeichnet Golem etwas Unfertiges, so z. B. eine Nadel ohne Öhr, das Kind als unfertig im Mutterleibe u. a. Adam war zuerst Golem (vergl. Sabb. 26b) Aboth VI ü. a. 0). Andere Überlieferungen, nach denen Adam als Hermaphrodit (avbpoYuvos) oder als mit zwei Gesichtern geschaffen *) cf. über Ewers Soergel, Dichtung und Dichter d. Gegenwart, Leipzig 1911, p. 817. ־) Erschienen bei Kurt Wolff, Leipzig 1915. 3) Wir folgen hier, von einigen Erweiterungen zum Schluß abge- -sehen, den Angaben der Jewish Encyclopaedia, Artikel ‘Golem*. Vgl. auch: N. Grün, Der Hohe Rabbi Lob und sein Sagenkreis, Prag 1385.

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