Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 3 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Weltanschauung u. patriotische Geschichtsbetrachtung. 133 seien stark, aber das Land sei herrlich. Der Feigheit trat die Seh wierigke it, der Zuversicht der Wert der Eroberung in den Vordergrund1}. Letztere ist zwar durch die Beobachtung gestärkt worden, aber nicht erst aus ihr erwachsen; ein Josua hat seine Überzeugung aus Moses’ Zelt mit auf die Heise genommen, und sie half ihm die Auswahl unter den Reisebildern treffen: jede Schönheit des Landes bestätigte ihm seinen Glauben an die göttliche Liebe und trat daher doppelt lebhaft hervor; keine Gefahr konnte auf ihn Eindruck machen. So ist denn das Gesamtbild, das sich ihm und Kaleb aus der Summe der Einzeleindrücke ergab, ein anderes als das der Schwankenden, bei denen der Zweifel Licht und Schatten verteilte; aber dieses wie jenes ist an der Hand der Wirklichkeit durch das Gefühl gewonnen. Ein solches Gesamtbild, das durch die auswählende Kraft des Gefühlslebens bestimmt ist, soll im folgenden als Gefühlsbild oder Gefühlsvorstellung bezeichnet werden. Schon das vorige Beispiel zeigt den Unterschied zwischen der Gefühlsvorstellung und ihrem schlimmen Nachbar: der Illusion, die nicht aus wählt, sondern fälscht und an Stelle der unbequemen Wahrheit skrupellos die bequeme Unwahrheit setzt. Daher sind Gefühlsbilder auch bei hochbegabten Personen möglich, ja. sie sind bei besonders starken Persönlichkeiten besonders lebhaft; dagegen ist es kein Zeichen von Klugheit, wenn die Franzosen zu Anfang des Krieges auf offenbar unmögliche Nachrichten hineingefallen sind. Der Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, um seine Verfolger nicht sehen zu müssen, gehört nicht gerade zu den weisesten Tieren. Gefühlsbild und Illusion sind deutlich zu unterscheiden auf dem Gebiete der Selbstbeurteilung. Das Illusionsbild ist stets übertrieben günstig und erzeugt Dünkel und Einbildung Dagegen erwächst aus dem Gefühlsleben recht häufig die Neigung, in dem Bewußtsein eigener Armut (ענוה) dem über- ג) Ähnlich verhält es sich in der Unterrednng zwischen Leicester und Mortimer (Maria Stuart II, 8).