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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 124 (sequence 60)
Language
German
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124 Die Jeschi woth in Rußland. beeinflußt, begannen die Gemeinden neue Anforderungen an ihre Rabbiner zu stellen. Die modern gesinnten und gebildeten Elemente innerhalb der Gemeinden wollen auch ihre Rabbiner im Besitze europäischer Bildungswerte sehen. Die älteren Rabbiner wollen sich dem neuen Zeitgeist nicht beugen. Solange das Alte erhalten bleiben könne, soll es sich dem Neuem gegenüber zu behaupten suchen. Sie fühlen sich stark genug, um keine Kompromisse einzugehen. Rabbiner Jizchak Jakob Reines war der einzige, der der neuen Zeitrichtung Kon- Zessionen machen wollte. Seine neue Jeschiwa (zu Lida), die Thora und Haskala zu einer höheren Harmonie verschmelzen will, erfreut sich einer großen Berühmtheit und Beliebtheit, hat aber infolge mannigfacher, hier nicht zu erörternder Umstände einen wesentlichen Erfolg nicht aufzuweisen. Einen anderenVersuch machte Rabbiner Chaj im Ts ehern owitz in Odessa, der die Jeschiwabesucher für die wissenschaftliche Forschung vorbereiten wollte. Er ließ in der von ihm ia Odessa begründeten neuen Jeschiwa den Talmudunterricht nach modern wissenschaftlichen Grundsätzen erteilen, namentlich das talmudische Recht. Allein der Talmud ist ein mit der Tradition unlösbar verknüpftes Werk, traditionell ist die Art seines Studiums, und auf dieser besonderen Methodik beruhen die gesamten im Schulchan-Arueh niedergeiegten Ritualhestimmungen. Zahllos sind die dem Volke als heilig geltenden Din im und Minhagim, die als Ergebnis einer nach der alten methodischen Art gepflogenen Erörterung aus dem Talmud deduziert wurden. Eine Umgestaltung der talmudischen Methodik würde eine Erschütterung der Grundlagen des gesamten religiös-rituellen Baues zur Folge haben. Aus diesem Grunde stieß auch die Reines’sehe Lehrweise auf Widerspruch, obgleich sie in ihren wesentlichen logischen Elementen sich auf die alte Methode stützt nnd namentlich ihren Geiste nach der Tradition bei weitem näher steht als das System von Tschernowitz, das durch seine kritische Methode die Überlieferung zu gefährden geeignet ist. Die Odessaer Jeschiwa vermochte sich in dem ihr von Tschernowitz gegebenen Charakter nicht zu be-

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