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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 123 (sequence 59)
Language
German
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Die Jeschiwoth in Rußland. 123 einigen Jahren für einen früh verstorbenen Baehur den הספר halten sollte, war ich in hohem Maße verwundert, daß Zehntausende dem. Dahingegangenen das letzte Geleit gaben. Zur־ gleichen Zeit verschied ein namhafter Babbiner, dessen Leichenbegängnis bei weitem keine derartige Massenbeteiligung aufzuweisen hatte. Man erkennt eben, daß diese Jünglinge ihre besten Lebensjahre und ihre Laufbahn auf dem Altäre des Judentums opfern, jenes Judentums, das diesen Volksmassen; ja über alles geht. Vielleicht entspringt auch dies Verhalten dem Gefühl des Mitleids, dem Bewußtsein von der Tragik des Dahinwelkens eines so jungen Lebens. Allein das Los unserer Jesehiwajünger ist nichts weniger als bemitleidenswert. Es ist ein Leben voller Lust und Freude, das unsere Thorajugend in der Jeschiwa führt. Nur wer einmal Gelegenheit hatte, dem lebendigen Treiben in einer Jeschiwa während einer hinreißenden Halacha-Debatte beizuwohnen, wird diese hehre Lebensfreude ganz ermessen können. Die Beschäftigung mit allgemeinen Bildungsfächern ist innerhalb der Jeschiwa verpönt, aber nicht etwa aus Bildungsfeindlichkeit, sondern um das ureigene geistige Gepräge des Jeschiwalebens vor jeder Trübung zu wahren. Die Jeschiwasucht daher alles fernzuhalten, was ihre innere Harmonie und Einheitlichkeit gefährden könnte. Man fürchtet die seelische Zerrissenheit und die inneren Konflikte, die die europäische Kultur mit sich bringt. — Freilich mag es wahr sein, daß diese Jeschiwazöglinge sich später im Leben nicht zurechtzufinden vermögen. Allein, sie sind, solange sie in der Jeschiwa weilen, vom lautersten Idealismus beseelt, die jede ״praktische4‘ Denkrichtung weit von sich weist. Auf die an einen Jeschiwajüngling gerichtete Frage eines bekannten Schriftstellers, der einer Jeschiwa einen Besuch abstattete, wie er sein künftiges Leben einzurichten gedenke? erhielt er die stolze Antwort, daß, wer in der Thora einen praktischen Lebenszweck erblickt, sich schon der Thora entfremdet hat. Die Thora wäre dem ihr treu Ergebenen Selbstzweck! Allein dieser Standpunkt, so erhaben er ist, war auf dieDauer unhaltbar. Von den neuen Zeitströmungen

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