Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 121 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jesehiwoth in Rußland 121 4er Umgebung geschützt und innerlich unversehrt bleiben zu können. Heutzutage ist die Jeschiwa mehr als ein ״Lehrhaus“. Sie ist Zufluchtstätte für jene wenigen, die nach voller Erbaltung ihrer jüdischen Art streben, für jene, die dem fremden Milieu und den Einwirkungen eines unjüdischen Geistes entfliehen wollen. Die Jeschiwa unserer Tage ist eine Sammelstätte des urjüdischen Geistes, eine vollentwickelte, nach innen wie nach außen abgeschlossene Welt, in der das Geistesleben rein von jedem fremden Einschlag ist, ein souveränes Gebiet, auf dem der Geist des alten Judentums, vor Störungen und Hemmnissen geschützt, sich voll und frei ausleben kann. Darin liegt das Geheimnis der steigenden Vermehrung der Jesehiwoth in der Gegenwart. Diese Vermehrung ist der Ausdruck des Sichzusammenschließens des jüdischen Lebens. Die jüdische Seele wurde aus dem ״רשות הרבים״, aus dem breiten Lebenskreis verscheucht und mußte nun in den abseits des großen- Lebens liegenden ״רשות היחיד״ der Jesehiwoth Zuflucht suchen. Wo noch ein frisches jüdisches Leben pulsiert, bedarf es dieser isolierten Sammelpunkte nicht, sind die Jesehiwoth überflüssig. Allein das fremde Leben dringt in die verborgensten Winkel ein und gewinnt unaufhaltsam an Ausbreitung und Macht. Auch in die abgeschlossene Welt der Chassidim ist dieser furchtbare Feind eingebrochen, auch der Chassidismus hat sich vor dem neuen Zeitgeist als lebensbeherrschende Macht nicht behaupten können. Auch er mußte sieh auf isolierte Stätten zurückziehen. So hat auch der Chassidismus in den Jesehiwoth Zuflucht gesucht Die Jeschiwajünger unserer Tage sind die letzten Träger des geschichtlichen Judentums. Die Jesehiwoth sind die Bollwerke des Judentums, ihre Schüler die einzigen, die zu ihren Verteidigern ausersehen sind. Und diese Geistesritter sind sich ihrer großen Bestimmung bewußt, Wächter des Judentums zu sein. Sie sind von einem starken Selbstbewußtsein erfüllt, diese Helden des Judentums. Man wird heute vergeblich in der Jeschiwa nach jenem traditionellen ״armen Bachur“ suchen,