Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 112 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292958--01239-2294490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
112 Die Jeschiwoth in Rußland. immer mehr an Einfluß und faßte in den weitesten Volksschichten Euß. In der Person des Zaren Alexander II fand die Haskala einen mächtigen Gönner und Förderer. Als im Jahre 1873 die allgemeine Wehrpflicht in Rußland ein geführt ward, wurden den Abiturienten einer öffentlichen Schule viele Erleichterungen gewährt. Um dieser Vergünstigungen teilhaftig zu werden, wurden dann wieder viele jüdische Kinder in die nichtjüdischen Schulen geschickt. Die Haskala. bisher eine rein i de alen Motiven entsprungene geistige Bewegung, wurde so zu einer durch materielle Antriebe geförderten öffentlichen Macht. Um dem anschwellcnden Strom der neuen Bewegung einen Damm entgegenzusetzen, mußte mau sich nunmehr mit den neuen Lebensforderungen auseinandersetzen. Die alten Kampfmittel reichten nicht mehr aus. Der Chassidismus konnte durch gesteigerte Thorapfiege und den freist eines streng logisch gerichteten Talmudstudiums bekämpft werden; allein im Kampfe mit den neuen Lebensmächteu mußten diese idealen Waffen versagen. — In dieser Zeit entstand nun die ״moralistisehe Bewegung41 (״תנועת המוסר״) in Samogitien und Litauen. Der schädlichen Einwirkung der neuen Lebensrichtung und dem Eindringen des fremden ״Bildungsgeistes“ wollte der Schöpfer dieser Bewegung, Rabbi Israel Salanter, seine erhabenen sittlichen Forderungen entgegenstellen. Es würde hier zu weit führen, das Wesen des ״Moralismus“ des "סיסר* einer eingehenden Erörterung zu unterziehen. Es bildet dies ein wichtiges Kapitel für sich 1). Wir müssen uns in diesem Zusammenhang mit einer allgemeinen Umschreibung dieses Begriffes begnügen. Der מוסר״., geht von der Annahme aus. daß das Leben und die günstigen Lebensbedingungen, wo sie einem neuen Kulturgeist und neuen Kulturformen förderlich zu sein scheinen, eine nur erzieheirische Wirkung ausüben. Das soziale Milieu ist nicht eigentlich die Werkstätte, sondern vielmehr die Schule des individuellen Geistes, auf den das allgemeine Leben nur er- נ) Vgl. meinen Aufsatz "״,רבנו יש״־אל יחידתו המיסי-יה in dein Sammelbuch "״הלבנה (Warschau 1912, Herausgeber J. M. Elbinger),