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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 113 (sequence 49)
Language
German
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Die Jeschiwoth in Rußland. 113 zieherisch einzuwirken vermag. Dem neuen ״Moralismus“ kommt nun die Aufgabe zu, künstlich jenen erstrebten Zustand herbeizuführen, den die Lebensbedingungen und die Einwirkungen des Zusammenlebens auf natürlichem Wege nicht mehr zu schaffen vermochten: in der Erziehung des sittlichen Charakters und der Pflege der seelischen Kräfte. Vermag nun das soziale Milieu nicht mehr dem Thorageiste Schutz und Rückhalt zu gewähren, so ist das Leben dem Geiste der Religion entfremdet, ist dem Juden des materialistisehen Zeitalters jene befreiende Kraft idealistischer Begeisterung abhanden gekommen, die ihm die schwere Last des Lebens ertragen ließ, so lassen sich wohl vermittels einer sittlichen Erziehungsarbeit die erschöpften seelischen Kräfte erneuern und fruchtbar machen. Der Mussar wendet sich an das Individuelle der menschlichen Natur, seine Aufgabe erblickt er in der Steigerung der sittlichen Energien und in der Wehrhaftmachung der seelischen Motive und Triebkräfte in einem Maße, daß der Mensch Herr seiner selbst, unbeugsam und der Gesellschaft nicht untertan wird. Die Grundidee der neuen Morallehre ist mithin: Der ideal veranlagte Mensch muß sich leidend und kämpfend bewähren. Der Jude ist an das religiöse Martyrium gewöhnt. Die Tugend des Duldens ist ihm von Natur eigen. Allein wer hat die Grenzen dieser Tugend ermessen? Er muß von Jugend auf zu einer Lebensanschauung und Ordnung erzogen werden, die die Lebensbedürfnisse auf das niedrigste Maß zu reduzieren lehrt; dabei muß sein Sinn für die Sittlichkeit in einem Maße entwickelt und geläutert werden, daß er für das ״Licht der Thora“ und die Wahrheit der göttlichen Gebote empfänglich wird, so daß er frohen Mutes und erfüllt von sittlicher Begeisterung in den schweren Lebenskampf ziehe und sich darin bewähre. An diese Bewegung knüpfen nun die neueren Jeschiwagründungen in Rußland in den letzten vierzig Jahren an. Durch Rabbi Elieser Jakob Chajim (הבאש genannt einen Bruder des Herrn Joseph Chajim-ßerlin) und RabbiNathanZewi Finkei, beide persönliche Freunde Rabbi Israel Salanters, 8

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