Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 110 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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SB l JO Die Jeschi wo th in Bußland. gerufen, wo das talmudisehe Studium im Geiste des auf gesunder logischer Grundlage basierenden ״פשט״ betrieben wurde, während der übliche ״Pilpul“ ganz ausgeschaltet war. Denn der Pilpul ist der legitime Bruder des Mystizismus, des ..Dimjon“, gegen den ja der ganze Kampf gerichtet war. Durch die Anwendung der Pilpulmethode wollten ja bekanntlich die Schüler des Rabbi Jizchack Luria (האר״י) — und in ihren Spuren wandelnd auch spätere Chassidim-Größen — talmudisehe Erörterungen im Geiste der ״Kabbala“ auslegen, so daß die ״offene Lehre“ des Talmuds selbst in eine ״Geheimlehre56 verwandelt worden wäre, indem klare und eindeutige Haladasätze als ״רמז״ und ״סיד״ interpretiert würden. Der neuen Jeschiwa zu Woloschin fiel also eine doppelte Aufgabe zu: Die Stärkung des Thorageistes einerseits, und anderseits die Schwächung des Chassidismus. Nach beiden Richtungen hin waren ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt. Sie bildete ein Geschlecht von Geonim und Thoragrößen heran, lähmte den Einfluß des Chassidismus und hinderte seine weitere Verbreitung in Litauen und Samogithien, Der Chassidismus hat •tatsächlich in Litauen und Samogithien keinen Raum gewinnen können. Die offene Feindschaft, die die Chassidim gegenüber der Jeschiwa zu Woloschin an den Tag legten, war verständlich. Die Schüler dieser Anstalt wurden samt und sonders als מיגים und אפיקורסים gebrandmarkt. Sie. die Chassidim, erkannten, daß Woloschin ein uneinnehmbares Bollwerk des ״Misnagdismus“ bilde, daß diese Richtung der gefährlichste Feind des Mystizismus sei, daß, wo der Geist der talmudischen Logik herrsche, der Chassidismus nicht durchdringen könne. Auf die Gründung der Jeschiwa zu Woloschin folgte die Schaffung einer neuen Jeschiwa in Mir, die allerdings der ersten als Vorbereitungsanstalt diente. Die Absolventen der Anstalt von Mir gingen zur Fortbildung nach Woloschin, so daß beide Jeschiwoth eigentlich als eine Anstalt zu betrachten sind. Der Jeschiwa zu Woloschin ist in der Folgezeit keine Rivalin erstanden; es war auch in der Tat kein Bedürfnis nach einem neuen Thorasitz vorhanden. Mehr bedurfte es