Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 106 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Weltu. Lebensanschauung in Ibsens ״Kaiser u. Galiläer‘4. müssen dem Willen des Geistes entsprechen, so daß sie sieh nicht zu bekämpfen brauchen. Schon darin liegt, daß er Gott möglichst ähnlich sein muß, und Maximos zitiert auch wiederholt die Worte Platos: ״Nur ein Gott kann über Menschen herrschen. “ Penn ein menschlicher Kaiser kann nicht die Seele lenken und kann nicht über den Willen herrschen, er kann es höchstens über die Tat. Unter dem Messias werden die Menschen ,,Gott-Menschen1’ werden. ״Die Menschen brauchen nicht mehr zu sterben, um als Götter auf Erden zu leben.“ Schönheit und Wahrheit, die Maxime der früheren Seiche werden nicht antergehen, sie werden sich in diesem Reiche friedlich einen, und von seinem Begründer wird die Geschlossenheit des Wesens, die innerliche Einigkeit, auf die Menschen übergehen. Es wäre aber gewiß verfehlt, zu meinen, daß dieser ״Gott-Kaiser‘4 die hohen Glücksschätze, die das dritte Reich in sich birgt, seinen Bürgern verschwenderisch in den Schoß schütten wird. Wie der Fortschritt, den das Wahrheitsreich brachte, die Forderung entsprechend seiner Glücksbereicherung steigerte, so wird das Reich der Vollkommenheit — als gälten auch hier die Naturgesetze der Mechanik —, einen noch größeren Aufwand von Seelenkräften heischen. Und wenn der Messias die neue Offenbarung mit ihren Forderungen wie eine Fahne zum höchsten Glückesgipfel vorantragen wird, so werden zunächst gewiß nicht wenige am Wege liegen bleiben und nicht folgen können. Darum bedeutet aber auch das zweite Reich die beste Vorschule für das Bürgerrecht im dritten und darum geht auch nicht das Reich der Ästhetik, sondern der Ethik dem Reich der Vereinigung beider Werte unmittelbar voran. Wenn die Sittlichkeit fest begründet ist, so kann sich die Schönheit leichter zu ihr gesellen, während eine noch so stark durchgebildete Ästhetik nie imstande sein wird, die Ethik zur rechten Geltung zu bringen.