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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 103 (sequence 39)
Language
German
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Weltu. Lebensanschauung in Ibsens .,Kaiser n. Galiläer“. 103 Auge; sie gelangen zur Vielgötterei, in dem sie alles, was sie in seinem innersten Wesen nicht begreifen, die ganze Natur beseelen. Die Grenze zwischen einem derartigen Polytheismus und dem Pantheismus ist kaum vorhanden, denn schließlich bereitet sich über das Wesen des ganzen Welteninhalts ein undurchdringliches Geheimnis und es lebt kein Mensch, der in die Tiefen seiner eigenen Seele zu dringen vermag. Dazu kommt, daß die Selbstvergötterung, die der Pantheismus in sich birgt, sehr verlockend ist, weil es hier keine Seelenkämpfe gibt, weil ״erlaubt ist, was gefällt״ :״So kann Julian den Anhängern dieses Glaubens zurufen: ״Ja, Eure Götter .... hindern nichts, sie hemmen keinen; sie geben dem Menschen Raum zum Handeln. 0 dies griechische Glück, sich frei zu fühlen!4* — Und später mit einem Ausdruck von Sehnsucht: 0״ diese Wahrhaftigkeit des Willens!44 Eine Sünde gibt es kaum in diesem Reich des uneingeschränkten Willens, nur das Häßliche ist sündhaft. Julian fragt einmal: ״Sage mir, — warum war die heidnische Sünde so schön? Und als ihm gesagt wird, sie wäre nicht schön gewesen, man hätte nur schön von ihr gesprochen, da fährt er fort: ״War Alcibiades nicht schön, wenn er im Feuer des WTeines wie ein junger Gott durch die Gassen Athens zur Nachtzeit stürmte? Was er nicht schön in seinem Trotz, wenn er Hermes verhöhnte und an die Türen der Bürger pochte — wenn er ihre Frauen und Töchter herbeirief, während die Weiber drinnen bebten und in seufzendem, atemlosen Schweigen sich nichts anderes wünschten, als daß — . . . . War nicht Socrates schön beim Symposion? Und Plato und all die andern schwel״ gen den Brüder! Und doch begingen sie Dinge, welche jene christlichen Halbschweine dort vor Gott abschwören würden, wenn sie jemand dessen beschuldigte. Und denke Dir ferner Ödipus, Medea, Leda —.Und betrachte unsere heiligen Schriften, die alten wie die neuen. War die Sünde in Sodom und Gomorba schön? Rächte nicht Gottes Feuer, wovor Socrates nicht zurückwich?44 —-

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