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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 102 (sequence 38)
Language
German
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102 Weltu. Lebertsanschauung in Ibsens ,,Kaiser 11. Galiläer“. Auch die jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters suchen zum großen Teil den Konflikt, der sich aus den beiden Forderungen: der Allmacht Gottes auf der einen Seite, auf die alles in der Welt, auch die Handlungen des Menschen zurück־ gehen müssen, und der Willensfreiheit des Menschen auf der anderen Seite ergibt, dadurch zu lösen, daß sie erklären, Gott habe seine Allmacht zugunsten der menschlichen Willensfrei״ heit beschränkt. Und so ist auch bei Ibsen die Willensfreiheit des Menschen eigentlich eine freiwillige Machtbeschränkung ihres SchöpfersT die seiner Allmacht aber dennoch keinen Abbruch tut, eben weil sie gewollt ist. Sie ist vielmehr ein besonderes Zeichen der Allmacht des Schöpfers, weil er über diesen willensfreien Menschen seine Herrschaft ausübt, und die Menschheit sicher und durch keine Willensmacht gehindert zu ihrem Ziel hinaufführt. II. Die Lebensanschauung. Welches das Ziel ist und in welcher Richtung sich nach Ibsen der Fortschritt in der Menschheitsgeschichte bewegt, zeigt die Antwort, die Maximos auf die Frage Julians: ״Welches ist das Reich?״, nämlich das Reich, das er fest begründen solL gibt. Er erwidert: Es gibt drei Reiche. — Zuerst jenes Reich, das auf dem Baum der Erkenntnis gegründet ist, dann jenes Reich, das auf dem Stamm des Kreuzes gegründet wurde. Das dritte ist das große Reich des Geheimnisses, das Reich, das auf dem Baum der Erkenntnis und auf dem Stamm des Kreuzes zusammen gegründet werden soll, weil es beide haßt und liebt und weil es seine Lebensquellen im Haine Adams und auf Golgatha hat“. 1. Das erste Reich ist das Reich der Schönheit, das in den Hellenen seine markantesten Vertreter hat. Ihnen galt das Schöne soviel, weil sie in ihm eine ausreichende Grundlage für das vollkommene Glück sahen: auch das Gute wurde nur geschätzt, wenn es schön war. Das Gefühl ist also in diesem Reiche das Entscheidende und nicht die Vernunft. Die Bürger dieses Reiches betrachten daher alles mit naivem unkritischem

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