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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 101 (sequence 37)
Language
German
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Weltu. Lebensanschauung in Ibsens ״Kaiser 11. Galiläer“. IOI Man sieht liier den Versuch Ibsens, die Vorausbestimmung mit der Willensfreiheit in Einklang zu bringen: Irgend eine Aufgabe — welche ahnt der Mensch nur — hat ein jeder. Diese Aufgabe wird auch von ihm gelöst, und zwar .,auf dem Wege der Freiheit, der der Weg der Notwendigkeit ist.״ Denn es steht dem Menschen frei, im Sinne der Lösung oder ihr entgegen zu wirken; der Erfolg ist derselbe. Die Geisterstimme empfiehlt aber Julian, das zu wollen, was er muß. Glücklich nämlich, wer seine Aufgabe erkennt und ihr treu!)leibt, weh* dem, der sich ihr entziehen will. Doch gerade das Erkennen erfordert eine ganz besondere innere Disciplin, die Juiian fehlt, sonst wäre er nicht wie Kain und Judas Ischariot ״verlockt״ worden. Makrina hat recht, wenn sie sagt: ,.Das Geheimnis der Erwählung ist furchthar!״ Wäre aber die Erwählung des einzelnen, wäre seine Aufgabe ihm kein Geheimnis, wüßte er, wo er mit dem Erfolge ginge, so wäre es mit der Willensfreiheit zu Ende. Wie hoch Maximos den Wert der Willensfreiheit und den Willen an sich einschätzte, zeigen seine Worte: ״jenen Tag, da er — wie es in den jüdischen Schriften heißt — seine ff and ausstreckte und schied das Licht von der Finsternis, Wasser von Land, an jenem Tag stand der große schaffende Gott auf dem Gipfel seiner Macht. Aber mit dem Menschen entstand der Wille auf Erden״. Dieser kühne Ausspruch erinnert an die Erzählung im Talmud: (Baba mezia 59b) Rabbi Elieser, der gegenüber einer (starken) Majorität seinen Standpunkt in einer Streitfrage für den rechten hält, ruft überirdische Zeichen zu Hilfe, um sein Recht zu beweisen. Die Wand soll sieh neigen und so für ihn sprechen. Es geschieht so. doch Rabbi Josua, sein Gegner, verharrt bei seiner Ansicht und mit ihm die Majorität. Da ruft Elieser: ״Eine göttliche Stimme soll entscheiden.״ Sie ertönt und spricht für ihn. Doch R. Josua entgegnet: Die Thora ist nicht mehr im Himmel, sie gehört den Menschen und nach ihr hat die Majorität zu entscheiden!״ Und R. Elieser, der sich nicht fügen will, wird in den Bann getan.

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