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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 99 (sequence 35)
Language
German
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Weltu. Lebensansctauung in Ibsens ..Kaiser n. Galiläer“. 99 Die Gedanken selbst aber stimmen mit den übrigen dramatiscben Mitteln überein, denn anch aus ihnen geht hervor, daß die ganze Geschichte der Menschheit in ihrer aufwärtsstrebenden Entwicklung durch etwas Höherstehendes beeinfiußt wird und nach einem ganz bestimmten Plan sich abspielt. Dieser wird dnrchgeführt, indem jedem Menschen eine Aufgäbe zugewiesen wird. Vielleicht werden die großen Fortschritte in der äußeren und seelischen Kulturgeschichte immer durch ein und denselben Menschen bewirkt׳, der nur in anderer Gestalt wieder auftritt, aber immer stärker, immer vollkommener, wie es Julian sich vorstelite, der auch in sich den wiedererstandeneii Adam sah und durch ein ״reines Weib“ die Vollkommenheit su erlangen hoffte. Adam, Moses und der Galiläer kämpften im Sinne der Weltleitung und der ihnen zuerteilten Aufgabe. — Die große Bewegung, die der Galiläer hervorgebracht hat, ist von der Weltleitung beabsichtigt. Sie hat gerade die jüdischen Gedanken, wenn auch zum Teil verändert, in die Welt getragen. so sehr man sich auch weigert, zuzugestehen, daß die Ethik der christlichen Keligion zum größten Teil ein Erbstück der jüdischen ist. — Andere wiederum kämpften gegen den Willen der Weltleitung. Diese beschwört Maximos in einer Scene, in der zwei Geister erscheinen, die sich durch ihre Worte als Kain und Judas Isehariot darstellen. Julian will auch den dritten ״Eckstein unter dem Zorn der Notwendigkeit44 sehen, doch er erscheint nicht, denn er lebt noch oder ist noch nicht geboren. Julian merkt nicht, daß er es selber wird, wenn auch er sich gegen seine Aufgabe auflehnt. Dabei kann es ihm ebensowenig gelingen, wie Kain und. Judas Isehariot, denn die Aufgabe, die ihm einmal zugewiesen ist, muß er lösen. Das deutet die Geisterstimme, die ihm seinen Beruf auf Erden verkündet, auch an. Julian sieht eine Gestalt und fragt: Warum wurde ich? Die Stimme: Um dem Geist zu dienen!

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